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Anreizsysteme zur Offenlegung und Vernetzung von Wissen
(H.-J.
Weißbach, Juli 2002)
Die Versuche zur Nutzung und Vernetzung verborgenen
Wissens von Mitarbeitern stoßen auf Grenzen, wenn sie nicht durch die
entsprechenden Belohnungssysteme unterstützt werden. Prämien, Aufstieg
oder Unternehmensaktien sollen Mitarbeiter motivieren, ihr Wissen in die
Datenbanken des Unternehmens einzufüttern. Dabei stößt man auf zwei
Probleme:
- die Messung und Bewertung der Wissensinputs
(siehe auch Wissensmetrik). Eine Bewertung des strategischen Nutzens
von Wissen ist – anders als bei kurzfristig zu realisierenden
Verbesserungsvorschlägen – kaum möglich und wird eher zu
Auseinandersetzungen führen, die im Hinblick auf das Ziel eines
intensiven Wissensaustauschs dysfunktional sind.
- die frühzeitige Prägung der individuellen
Verhaltensmuster im Umgang mit Wissen, auf die das einzelne
Unternehmen nur begrenzt Einfluss hat. Der Umgang mit Wissen wird
schon in der Schule gelernt, und in Studium und Karriere bestätigt
sich die Erfahrung, dass Wissensvorsprünge über das individuelle
Fortkommen entscheiden. „Zwar wird im Studium verbal die Wichtigkeit
der Teamarbeit beschworen, doch vor Prüfungen zeigt sich immer
wieder, dass viele wichtige Bücher von den Kommilitonen in den
Regalen versteckt werden“ (BWL-Student). Selbst wenn dieAnreize
individuell im Sinne einer Stimulierung der Wissensaneignung und
-weitergabe wirken, stellen sie doch nicht sicher, dass dies in einer
kooperativen Atmosphäre erfolgt; vielmehrkann die Konkurrenz dadurch
in disfunktionaler Weise stimuliert werden. Jedes Unternehmen, das
Wissensmanagement einführt, muss sich also mit der Angst der
Mitarbeiter vor Machtverlust durch Preisgabe des Wissens auseinander
setzen. Dies ist vor allem ein Problem in den kundennahen Bereichen,
in denen umfangreiches Wissen über den Kunden gespeichert wird.
„Mitarbeiter, die ein halbes Berufsleben lang mit Tantiemen und
Sonderzuwendungen überschüttet wurden, um sie zu besonderen
Leistungen anzuhalten, sollen nun ganz umsonst und zur freien Verfügung
ihr kostbares Wissen in einer offen zugänglichen Datenbank ablegen
– nur weil es das Management, mitunter unter Androhung von
Sanktionen – so beschlossen hat. Viele Angestellte sind in solchen Fällen
‚klug genug‘, tätige Mithilfe bei der Wissenserhebung zu
heucheln, indem sie das System beispielsweise mit unbedeutenden
Informationen füttern.“ (Thomas Hübner, „Und sie wissen nicht,
was sie wissen“, NZZ, 27.9.2000, S. 37)
So stellt die absichtliche Eingabe von
„Datenschrott“ nach Meinung eines Vertreters der Pharmaindustrie
bereits heute ein gravierendes Problem dar. Kontrollsysteme zur Überwachung
der Korrektheit der Dateneingaben des Außendienstes schaffen eine Atmosphäre
latenten Misstrauens, in der sich die für den Wissensaustausch notwendige
Offenheit nicht entwickeln kann.
Auch Anreizsysteme sind darauf hin zu überprüfen,
ob sie nicht schädliche Konkurrenzen zwischen den Mitarbeitern und
innerhalb der Teams schüren.
Erfolgreiches Wissensmanagement ist nicht primär
eine Frage materieller Anreizsysteme, sondern ganz wesentlich eine der
Kommunikationskultur. Es ist daher abhängig von der Schaffung einer
High-Trust-Atmosphäre im Unternehmen.
Die Kommunikationskultur wird dabei deutlich vom
persönlichen Vorbild der Vorgesetzten sowie vom Abbau hierarchischer
Strukturen und vom Ausmaß von Partizipationsmechanismen geprägt. Scharfe
Kontrollstrategien und Sanktionsmechanismen, durch die die Weitergabe von
Wissen erzwungen werden sollen, führen in eine Low-Trust-Kultur und sind
mit einem funktionierenden Wissensmanagement auf Dauer unvereinbar.
Damit sind gewissermaßen die
"Hygienefaktoren" benannt, die die Weitergabe und den Austausch
von Wissen erschweren. Echte "Motivatoren" sind darüber hinaus:
- tatsächlich eintretende Arbeitserleichterungen
durch Schaffung einer gemeinsamen Wissensbasis
- soziale Anerkennung durch Vorgesetzte und Team
- ein höherer Zeitanteil, der vom Unternehmen für
Kreativarbeit zur Verfügung gestellt wird.
Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass es
sinnvoller ist, keine isolierten materiellen Anreizsystem im Rahmen von
Wissensmanagement-Projekten zu schaffen, sondern die WM-Tätigkeiten in
den Kontext der alltäglichen Arbeitsroutinen zu stellen. Dies zeigt eine
2002 abgeschlossene Studie bei T-Mobile (siehe http://www.wissensarbeiter.de
)
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letzte Bearbeitung:
20.08.10
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