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Bausteine des
Wissensmanagements: das Modell von Probst
Das 8 Bausteine (die auch
als sich überlappende Phasen bzw. Daueraufgaben interpretierbar sind)
umfassende Modell des Wissensmanagement nach Gilbert Probst u.a. ist wohl
der am weitesten verbreitete, pragmatisch bewährte Leitfaden zum Aufbau
eines Wissensmanagementsystems. Im einfachsten Fall kann man ihn als
Checkliste nutzen ("haben wir auch nichts vergessen?"), man kann
ihn aber auch als komplexe Hilfe zur Implementierung sowohl von
Wissenstechnik als auch von Wissensmanagementfunktionen ausgestalten.
Viele andere "Rezepte" stellen nur mehr oder weniger
abgewandelte Kopien dieses pragmatischen Modells dar.
Folgt man dem Modell, so ist es sinnvoll, die
Funktion eines zentralen Wissensmanagers von Anfang an zu implementieren.
Die Verantwortung für das Wissensmanagement sollte dabei weitgehend aus
dem DV-Bereich herausgelöst werden. Es ist auf eine schrittweise
Umsetzung zu achten, wobei der ökonomische Nutzen der Strategie permanent
zu evaluieren ist (vgl. Baustein 8).
- sind sowohl für technische wie für
organisatorische "Lösungen" von Anfang an explizite Wissensziele
zu formulieren. Z.B. "Qualifizierte und exzellente Beauskunftung
und Beratung sind eine zentrale Voraussetzung für den Erfolg von XXX.
Alle Mitarbeiter sollen befähigt werden, die Beauskunftungs- und
Beratungstätigkeit effizient zu erfüllen. Geeigneten Kundengruppen
soll zugleich ein beschränkter Zugang zu den Wissensressourcen von
XXX gewährt werden. Diese Ziele wird durch den systematischen Einsatz
von Wissenstechnik gestützt. Jeder Mitarbeiter soll den freien
Austausch von Wissen innerhalb der Organisation durch verantwortlichen
Umgang mit den Systemen zur technischen Erfassung von Kunden- und
Produktdaten und durch die Mitwirkung am aktiven Aufbau einer
Erfahrungsbasis hinsichtlich aller Geschäftsprozesse stärken."
Daraus sind operative Wissensziele abzuleiten: Pflege der Kundenstamm-
und Produktdaten, Speicherung von Erfahrungsberichten und
Auswertungen, Vermeidung von langen Suchzeiten und Information
Overload usw. Verantwortlich: die Geschäftsführung, die einen
zentralen Wissensmanagementverantwortlichen benennt.
- Die Identifikation des benötigten Wissens
kann mit Hilfe eines Wissenspflichtenhefts vorgenommen werden. Für
jeden Teilbereich soll ein ständiger Verantwortlicher benannt werden,
der Wissensquellen und Darlegungsform auflistet; und zwar bezogen auf
Produkte, Kundengruppen und Geschäftsprozesse (z.B. Welches Wissen
fehlt uns? Welche Daten sollen die Kunden aus dem Extranet abrufen können?).
Diese Listen werden in abgeglichen und im Wissenspflichtenheft
zusammengestellt; später regelmäßig upgedatet.
- Möglichkeiten des Wissenserwerbs
sind vorzusehen: Welches Wissen soll einmalig / dauerhaft in welcher
Form aus externen Quellen gekauft werden? Welches Wissen kann
durch Weiterbildung erworben werden? Auch diese Informationen gehören
ins Wissenspflichtenheft. Verantwortlich: die Bereichsverantwortlichen
für das Wissensmanagement; ein Abgleich erfolgt durch den zentralen
Wissensmanager.
- Die Wissensentwicklung erfolgt in den
produkt- bzw. kundenbezogenen Teams in Zusammenarbeit zwischen
erfahrenen und jüngeren Mitarbeitern. So sind z.B. Einarbeitungspläne
festzulegen. Es sind regelmäßig Berichte aus Projekten zu erstatten;
die "Lessons learned" sind zu dokumentieren. Verantwortlich:
Abteilungsleiter, beraten durch zentralen Wissensmanager.
- Die interne und externe Wissensverteilung
erfolgt v.a. auf persönlicher Ebene, durch Meetings sowie durch
IT-Medien (Intranet, email/Outlook). Achtung: das System soll dem
Mitarbeiter das nötige Wissen am gewünschten Ort und zum
erforderlichen Zeitpunkt mit dem geeigneten Medium bereit stellen, es
soll ihn nicht mit Wissen überschütten. Zu regeln ist das gesamte
Zugangssystem: Wer hat online-Zugriff auf welche Daten? Welcher Außendienstmitarbeiter
wird mit welchem Medium angesprochen? (Das Fax sollte nicht nachts im
Schlafzimmer klingeln!) Welche Verteiler für Kundeninfos sind
anzulegen? Verantwortlich typischerweise: Abteilungsleiter in
Absprache mit zentralem Wissensmanager und DV-Abt.
- Die Wissensbewahrung / Wissenssicherung
erfolgt v.a. durch technische Medien. Drei Fragen sind in diesem
Zusammenhang zu klären: a) Selektion des zu bewahrenden Wissens, b)
Speicherform, c) Aktualisierung. Für diese drei Phasen sind
allgemeingültige Regeln zu erstellen. Hierzu ist die Position eines
zentralen Wissensmanagers besonders wichtig. Es sind organisatorische
Sicherheitsmaßnahmen gegen das kollektive Vergessen ebenso wie Maßnahmen
für das planmäßige Löschen nicht mehr aktueller Daten zu treffen.
Verantwortlich: DV-Abt. / zentraler Wissensmanager. Sicherheitsziele
werden in Zukunft eine höhere Bedeutung erhalten.
- Die Sicherstellung einer angemessenen Wissensnutzung
stellt eine zentrale Führungs- und Personalentwicklungsaufgabe dar.
Die Mitarbeiter müssen zur Nutzung des Systems motiviert sein, evtl.
sind die entsprechenden Ziele in Zielvereinbarungen mit dem MA.
aufzunehmen und/oder es sind entsprechende Anreize zu schaffen (z.B.
durch eine Umfrage: Welcher MA. hat mich in diesem Monat am besten
durch Information unterstützt?). Dafür sollten die MA. schon in der
Implementationsphase des technischen Systems ausreichend geschult
werden. Verantwortlich: jeweiliger Abteilungsleiter in Zusammenarbeit
mit DV-Abt.
- Die Wissensbewertung / das Wissenscontrolling
verfolgt den Grad der Erreichung der strategischen und der operativen
Unternehmensziele sowie die Erfüllung von Zielvereinbarungen mit den
Abteilungen / MA. z.B. einmal jährlich. Kosten-Nutzen-Relationen sind
zu ermitteln. Auch sind aufgetretene Fehler zu dokumentieren und als
Lernquelle zu nutzen. Auch Wissensrisiken (Gefahr plötzlicher
Verluste usw.) sind künftig verstärkt dabei abzuschätzen (z.B.
Virenangriffe auf wichtige Datenbanken).
Anhand des Ergebnisses der Wissensbewertung sind die
Wissensziele ggf. zu korrigieren oder es sind neue Wissensziele
festzulegen (Feedback).
Literatur: G. Probst u.a.: Wissen managen.
Frankfurt/Wiesbaden, 3. Aufl. 1999
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letzte Bearbeitung: 22.10.09
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