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Knowledge Spillover 

Externe Effekte, die entstehen, wenn in einem Unternehmen oder in einem Projekt Wissen erzeugt oder F&E-Ergebnisse produziert werden, was dazu beiträgt, die Produktivität anderer Unternehmen oder Projekte zu steigern. Anders ausgedrückt, es handelt sich um (meist unbeabsichtigte) Effekte, die dadurch entstehen, dass das für einen bestimmten Zweck erzeugte Wissen nicht nur von seinen Produzenten genutzt wird, sondern auch von anderen Anwendern.

Spillover kann bspw. entstehen durch

Fluktuation von Mitarbeitern

  • unvollständigen Schutz des Wissens (z.B. mangelnde Geheimhaltung, fehlende Patentierung), aber auch durch

  • zu detaillierte Patentschriften, die Wettbewerber zu Imitations- und Umgehungsstrategien motivieren

  • beabsichtigten oder unbeabsichtigten Gratisaustausch von Wissen zwischen Koperationspartnern.

Die Spillover-Effekte nutzenden bzw. diese produzierenden Unternehmen müssen weder in einer Konkurrenz- noch in einer Kooperationsbeziehung stehen. Besonders effektiv für Innovationen scheinen gerade die Hersteller-.Kunden-Beziehungen zu sein (Nutzung von Kundenwissen durch Produzenten).

Schon Marshall hat darauf hingewiesen, dass Spillover-Effekte maßgeblich zur räumlichen Konzentration bestimmter Branchen beitragen, weil die Zeitdauer des Informationsflusses zwischen Unternehmen als Funktion der Entfernung angenommen werden kann. Gerade in urbanen Regionen und Metropolen wird die Kommunikation neu generierten Wissens durch die hohe Bevölkerungs- und Kommunikationsdichte und gemeinsame Ausbildungswege der technischen Eliten erheblich erleichtert. Dieses intraregionale Spillover trägt maßgeblich zur hohen Persistenz von Traditionsstandorten und know-how-basierten industriellen Clustern bei.

In jüngster Zeit hat infolge der Globalisierung offenbar das Tempo von interregionalen Spillovers zugenommen (durch globale Arbeitsmärkte, Relativierung von Sprach- und Kulturbarrieren, Englisch als lingua franca, Internet usw.). Versuche zur präzisen Messung von Spillovers blieben bisher jedoch relativ erfolglos.

Spillover-Effekte können auch innerhalb eines Unternehmens zwischen verschiedenen Produkten und Produktgruppen entstehen. Außerdem gibt es sie nicht bei der Erzeugung von wissenschaftlichem oder technischem Wissen, sondern auch im Hinblick auf entrepreneuriales Wissen, das vor allem durch Learning by doing erzeugt wird. So verbreiten sich bestimmte Managementtechniken, die in einem Unternehmen entwickelt worden sind, häufig sehr rasch im Umfeld dieses Unternehmens, auch wenn sie im Prinzip geheim gehalten werden sollen. Kompliziert wird die Logik dieses Verbreitungsprozesses jedoch durch die im Verhältnis zu wissenschaftlichem Wissen stärker implizite, kaum überprüfbare Form des managerialen Wissens.

So kommt es immer häufiger vor, dass sich die einem bestimmten Unternehmen lediglich zugeschriebenen, angeblich bewährten Managementtechniken in einer dazu noch vagen und verstümmelten Form rasch verbreiten (durch Medien, Propagierung von Best Practice-Modellen usw.). Diese Verbreitung von Modewellen („Pseudo Knowledge Spillover“) kann durch die das Know-how erzeugenden Unternehmen wohlwollend toleriert werden, in der Hoffnung, Wettbewerber in die Irre zu führen oder einfach das eigene Image zu verbessern.

Ein Beispiel für regionale Spillover-Effekte ist die Verbreitung von Business-Plänen bei Start-ups. Hier haben lokale Berater gute Business-Pläne in Form und Struktur kopiert und durch die Beratung gleich mehrfach an andere Gründer weiter gegeben, oder Gründer haben ihre Business-Pläne selbst in ihrem Umfeld publik gemacht. Damit schleppen sich aber auch viele Fehler fort. Spillover-Effekte sind daher nie risikofrei, weil nicht klar ist, ob das in anderem Kontext erzeugte Wissen auch in einem neuen Kontext funktionsfähig ist. Auch bei Abwerbung von Mitarbeitern gibt es diesbezüglich häufig Enttäuschungen.

Hans-Jürgen Weißbach (2001)


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letzte Bearbeitung: 22.10.09