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Kreativität: Der Begriff der Kreativität ist nicht auf rein individuelle Fähigkeiten zu begrenzen. Er muß systemisch bzw. relational definiert werden, setzt er doch ein System (oder eine Kultur) voraus, etwa ein von Experten kontrolliertes Feld, eine Wissensdomäne, ein geltendes wissenschaftliches Paradigma, einen dominanten künstlerischen Stil, ein System technischer Problemlösungen etc., im Hinblick auf deren Erwartungen und Normen eine bestimmte Leistung überhaupt erst als kreativ empfunden wird. Dabei kann die Kreativität sich weitgehend innerhalb des Systems von Erwartungen und Normen bewegen, welches nur deutlich modifiziert wird, oder auch das System sprengen bzw. eine neues etablieren. Es handelt sich also um eine Transformation einer konventionellen Struktur, die die alte Struktur entscheidend modifiziert (Differenzierungsaspekt) oder möglicherweise in eine neue Struktur einmündet oder diese begründet (Integrationsaspekt).

Kreativität wäre so zu definieren als die im Feld F zum Produkt P führende Handlung H des Individuums I, die vom Beurteiler B im Hinblick auf ein System S von Erwartungen und Zwecken als kreativ eingestuft wird. Der alltägliche Gebrauch des Begriffs erfolgt in wechselnden Vereinachungen und Verkürzungen dieser Relation. So sprechen wir über kreative Individuen, Produkte, Leistungen oder Zwecken. Durch die genaue Beobachtung kreativer Leistungen und Menschen und durch Introspektion gewinnt man zwar eine Vielfalt von persönlichen Ritualen, die den kreativen Prozeß begleiten, die sich jedoch kaum auf einen Nenner bringen lassen.

Wir wissen also noch sehr wenig über die Möglichkeit, Kreativität systematisch zu trainieren. Allerdings scheinen einige Erkenntnisse gesichert:

  1. Der kreative Prozeß setzt oft die Verkettung zahlreicher Teilprozesse voraus (z.B. Analyse oder Vorbereitung, Inkubationszeit oder "Liegenlassen" des Problems, "Illumination" oder Erkenntnis der Gestalt der Problemlösung, Verifizierung der Lösung). Diese Teilprozesse sind kompliziert geschachtelt.
  2. Kreativität basiert oft auf der Überkreuzung von Assoziationsreihen oder auf Ähnlichkeitsassoziationen.
  3. Kreativität setzt sowohl differenzierende (z.B. Neugenerierung von Varianten) als auch integrierende Leistungen (z.B. Gestalterkennung) voraus, jedoch in jeweils sehr unterschiedlichen Anteilen.
  4. Kreativität hängt eng mit der Fähigkeit zur Umdefinition und Transformation von Ausgangsproblemen zusammen.
  5. Kreativität hat einen starken motivationalen Anteil.
  6. Die kreative Persönlichkeit entwickelt ihre ganz spezifischen Rituale.

Die wenigsten der etwa 400 Bücher im deutschsprachigen Raum, die sich mit Kreativitätstraining befassen, können sich auf systematische Forschungsergebnisse stützen. "Kreativität fördern" wird in der betrieblichen Praxis häufig - gänzlich unkreativ - verkürzt auf: Förderung der Arbeitsproduktivität.

Literatur zum Thema Kreativität:

Csikszentmihalyi, Mihaly (1997): Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden, Stuttgart. Enthält eine systemische Kreativitätsdefinition.

De Bono, Edward (1996): Serious Creativity. Die Entwicklung neuer Ideen durch die Kraft lateralen Denkens, Stuttgart. (Siehe auch www.sixhats.com)

Kolb, Klaus/Frank Miltner (1998): Kreativität. Frei für neue Ideen und Lösungen, München.

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letzte Bearbeitung: 22.10.09