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Lernende Region


Es gibt unterschiedliche Vorstellungen darüber, was eine "Lernende Region" ist. Nicht selten wird darunter eine Region vermutet, die sich durch besonders erfolgreiche und umfangreiche Weiterbildungsaktivitäten auszeichnet. Das "Lernen" wird dabei im engen Sinne der Bildung als individuelles oder Gruppenlernen interpretiert. Weiter reicht jedoch eine Begriffsverwendung in Analogie zu Ansätzen der OE und des organisationalen Lernens (z.B. „Lernende Organisation", "Lernendes Unternehmen"). Allerdings liegt kein Konsens über vielfältige Definitionsansätze vor. Die Abgrenzung zu regionalen Innovationsnetzwerken ist unscharf.
So kann man denn eine "Lernende Region" ganz operativ verstehen als den Versuch der geplanten Gestaltung eines umfassenden, nicht nur ökonomischen, sondern auch sozialen, kulturellen und bildungsbezogenen Entwicklungs- bzw. Veränderungsprozesses einer Region, in dem wichtige regionale Akteure im Rahmen von regionalen Foren oder Beiräten zusammenarbeiten, eine höhere Transparenz und Abstimmung ihrer Angebote sowie Konsens über die gemeinsame abgestimmte Entwicklung erreichen.
Ähnlich wie in Verfahren der Organisationsentwicklung ermitteln die Akteure den Entwicklungsstand (Differenz zwischen Soll und Ist) und initiieren gemeinsam abgestimmte Maßnahmen und Projekte, die sie in unterschiedliche Kooperationsformen (regionale Netzwerke, Verbünde, Webportale u.a.) umsetzen.
Die Strukturen der Kooperation müssen hinreichend stabil aber auch im notwendigen Umfang flexibel sein, um den dynamischen Veränderungen des Umfeldes und der Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.
Angestrebt wird in ersten Phasen derartiger Projekte meist die Schaffung des Überblicks über regionale Bildungs-, Weiterbildungs- und Forschungsangebote (Datenbanken) sowie ein höheres Informationsniveau von Betrieben, Arbeits- oder Weiterbildungssuchenden über diese Angebote. Eine Folge dieser erhöhten Transparenz soll ein Bildungsangebot sein, das zielorientierter als bisher auf Abnehmerbedürfnisse eingeht. Dafür sollen Instrumente der Abstimmung entwickelt werden.
Die weiteren Schritte von Projekten des Typs "Lernende Region" sind meist nicht mehr so klar definiert. Häufig ist die Verbesserung der Zielgrupenangebote für weiterbildungsferne Gruppen geplant. In anderen Projekten steht die Entwicklung eines Beratungsangebots für KMU und die Beseitigung von Kooperationsbarrieren im Vordergrund (z.B. Diplomarbeitsbörsen, Steigerung der Messebeteiligung).
In Deutschland gibt es verschiedene Ansätze (z.B. Main-Kinzig-Kreis, Köln, Chemnitz), die diese Konzepte mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung zu realisieren versuchen. Ähnliche Ansätze finden sich in Dänemark oder Italien.
In Anlehnung an das Konzept des „public-private partnership“ werden weitere Facetten der lernenden Region deutlich: Es geht auch um die Steigerung der Effektivität der öffentlichen Weiterbildungsangebote in Kooperation mit privaten Trägern und Abnehmern.
Folgende Voraussetzungen erscheinen nach ersten Beobachtungen schon bei Gründung wichtig für einen späteren erfolgreichen Projektverlauf:

  • eine nicht zu große Region, nicht zu viele Einzelkommunen im Netzwerk(Ansätze erstrecken sich bisher meist auf ein großstädtisches Ballungsgebiet mit seinem Umland) 
  • Präsenz von Entscheidungsträgern, aktive Mitarbeit der Akteure im Netzwerk, niemand mit „Kampfauftrag“ 
  • nicht zu viele konkurrierende Akteure aus dem gleichen Segment (z.B. Weiterbildungsträger)
  • klare Prioritätensetzungen in den verschiedenen Phasen

Die Erfolgsbedingungen solcher Netzwerke und die Verlaufsbedingungen der Lernprozesse sind bisher allerdings kaum systematisch untersucht worden. Häufig wurde viel Geld, Zeit und Energie in den Aufbau von Datenbanken investiert, die später nur hohen Pflegeaufwand verursachen. Z.T. führen derartige Projekte auch nur zur Refinanzierung der Beratungstätigkeit kommunaler Träger oder von Kammern, die ohnehin zu deren Aufgabenbereich gehört hätte. Schließlich ist hervorzuheben, dass derartige Projekte aufgrund ihrer hohen Konsensanforderugnen und des bottom-up-approachs äußerst langwierig sind wie auch betriebliche OE-Prozesse. 


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letzte Bearbeitung: 22.10.09