
Wissensentstehung
in Organisationen
Ikujiro Nonaka hat eine dynamische Theorie der Wissensschöpfung in
Organisationen entworfen, wobei er an Polanys Unterscheidung zwischen explicit knowledge
(explizitem, kodifizierbarem Wissen) und tacit knowledge (stillem, nur schwer
kodifizierbarem Wissen) anknüpft. Dieser geht davon aus, dass das stille Wissen in
personalen Bindungen und Handlungen wurzelt und nur schwer in eine formale Sprache
übertragen werden kann. Für Nonaka handelt es sich bei einem großen Teil des
praktisch-technischen und organisatorischen Know-hows, das in verschiedenen
organisatorischen Kontexten zur Anwendung gelangt, um solch stilles Wissen, in dem auch
die meisten neuen Ideen und Konzepte wurzeln.
Innovative Wissensschöpfung erfolgt seiner Beschreibung nach in
vier Transformationsprozessen:
- in der Kombination expliziten Wissens zu neuen Formen expliziten
Wissens
- in der Internalisation expliziten Wissens durch die
Organisationsmitglieder, das zu deren stillen Wissen wird
- in der Sozialisation, die von stillem zu neuem stillen Wissen führt
- in der Externalisierung des stillen Wissens in Form von neu
generiertem explizitem Wissen.
Jede organisatorische Sozialisation beruht also z.B. darauf, dass
Menschen ihr stilles Wissen miteinander teilen, d.h. dass Organisationserfahrungen
informell übertragen werden, während die Genese neuen Wissens (z.B. in der Wissenschaft,
Produktentwicklung etc.) traditionell eher durch Kombination von verschiedenen expliziten
Wissensbeständen erfolgt. Internalisation und Externalisation sind wiederum zwei inverse
Formen der Interaktion zwischen stillem und explizitem Wissen. Für Organisationen
besonders bedeutsam ist die letztere Form der Interaktion, welche die Bereitschaft
erfordert, Erfahrungen und interpretative Muster mit anderen im Team auszutauschen. Darin
besteht der Kern der Aufgabe des Wissensmanagements, der schließlich in die Konvergenz
und Legitimierung des neuen Wissens einmündet.
Kritisch wäre anzumerken, dass Nonaka in seiner Betonung der Rolle
des Austauschs für die Konsensbildung keine Methoden angibt, mit denen Konkurrenzen und
Konflikte zwischen unterschiedlichen Perspektiven und Modellen bearbeitet werden können.
Mit unterschiedlichen Interpretationsmodellen innerhalb einer Organisation auch auf
längere Sicht zu arbeiten, ohne dass diese konvergieren und ohne dass ihre Priorität
eindeutig festgestellt werden kann, ist eine wesentliche Aufgabe insbesondere in globalen
Unternehmen.
Literatur: Ikujiro Nonaka: A Dynamic Theory of
Organizational Knowledge Creation, in: Organization Science 5, no.1, 1994, S. 14-37;
M. Polany: The Tacit Dimension, London, 1967
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