
Der Wissenszyklus -
vom individuellen Wissen zur kollektiven Wissensbasis
Frauke Marwehe (Institut für Soziologie der
Joh.-Gutenberg-Universität Mainz)
Hans-Jürgen Weißbach (Fachhochschule Frankfurt am Main)
April 2000
1. Wissenszyklen im Unternehmen
Die Anforderungen des globalen Wettbewerbs machen
einen permanenten Wissensaustausch und den bewussten Umgang mit
unternehmerischen Wissensbeständen immer wichtiger. Dies gilt besonders für
Länder, in denen die Grenzen preisbezogener Unternehmensstrategien immer
deutlicher werden (vgl. Pawlowsky 1998, S. 10). Deutschland kann aufgrund hoher
Aufwendungen für das soziale Sicherungssystem keinen Preiskampf mit sogenannten
Billiglohnländern aufnehmen. Es muss seinen Konkurrenzvorteil aus der
professionellen Nutzung von Wissen, Know-how und Humanressourcen ziehen. Die
Voraussetzung hierfür sind Kenntnisse darüber, was wettbewerbsrelevantes
Wissen ist, wie Wissen im Unternehmen verteilt ist, wie es entsteht und wie es
gemanagt werden kann.
Wissen ist von Daten und Informationen zu
unterscheiden (vgl. Willke 1998, S. 7 ff.). Daten sind Beobachtungen, die durch
die Wahrnehmung und kognitive Rahmung durch den Beobachter für diesen
überhaupt erst existent werden. Sie werden in Zahlen, Sprache oder in Bildern
codiert. Werden diese Daten in einen Kontext von Relevanzen eingebettet, kann
von Informationen gesprochen werden. Einem Maschinenbauunternehmen sind
vielleicht die Daten darüber zugänglich, wie die Photosynthese von Pflanzen
funktioniert. Diese Daten sind aber für den Maschinenbau völlig irrelevant. Es
sind in diesem Kontext keine (relevanten) Informationen.
Der Kontext bestimmt also darüber, ob bestimmte
Daten Informationen sind und welchen "Wert" sie haben. Zu Wissen
werden Informationen erst, wenn sie ...
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