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Management
of Diversity
Eines
der avanciertesten und ambitioniertesten Konzepte , das für den Umgang
mit interkulturellen Differenzen nutzbar gemacht werden kann, stellt
sicher der maßgeblich von Thomas (2001) geprägte „Managing
Diversity-Ansatz“ für Unternehmen dar. Dabei geht es um Differenzen in
jeder Hinsicht – zwischen Geschlechtern, Ethnien, Alt und Jung,
dominanten und dominierten Parteien, Persönlichkeitstypen usw. „Diversity“
wird als komplexe, sich ständig erneuernde kollektive Zusammensetzung
verstanden. In Abgrenzung zur traditionellen Sichtweise der „Einen“,
„Normalen“ gegenüber den „Anderen“ (ebd: 27). In
WIrtschaftsunternehmen sieht Thomas drei Grundumgangsformen mit Diversität:
-
die
„affirmative Aktion“ (ebd.), die auf Eingliederung und Überwindung
von Ungleichheit und Diskriminierung setzt
-
Verständnis
für Unterschiedlichkeit, basierend auf wechselseitiger Wertschätzung und
Interesse
-
wirkliches
Management von Diversität, das ein Umfeld schafft, in dem sich die
Talente und Qualitäten aller gleichermaßen entfalten können.
Die
an zweiter Stelle genannte Verhaltensweise stellt ganz offensichtlich nur
eine notwendige Voraussetzung für den dritten Ansatz dar („kollektive
Diversity-Reife“, 265). In dieser zuletzt genannten Perspektive stehen
nicht Anpassung und Integration der jeweils „Anderen“ an die
„Einen“ bzw. an ein gegebenes Umfeld im Mittelpunkt, sondern vielmehr
„Umbaumaßnahmen“ dieses Umfeldes selbst. Üblicherweise gibt es in
Gesellschaften und Organisationen eine oder mehrere dominante Gruppen, die
die entscheidenden Rahmenbedingungen und Regeln bestimmen, die
Voraussetzungen für den Erfolg festlegen und entscheiden wer dazu gehört
und wer nur toleriert wird – und die sogar „Systeme zur Reflexion der
Voraussetzungen“ (31) dieser Regelsysteme kontrollieren, so dass diese
nicht in Frage gestellt werden können. Die dominierten Gruppen hingegen
sind „Neuankömmlinge“ oder „Außenseiter“ (31), haben kaum Wissen
über interne Strukturen und müssen sich die ungeschriebenen Regeln
aneignen, sich anpassen und eigene Bedürfnisse ignorieren.
Üblicher
Weise übersteigt die Diversität in Organisationen die vorhandenen
Kompetenzen und die Bereitschaft, Diversität souverän zu bewältigen.
Erforderlich scheint vor allem die Fähigkeit zum Aushalten von Komplexität
und Spannungen, die unvermeidliche Begleiter von Diversität sind.
Insofern steht auch das Lernen über die eigene Persönlichkeit und deren
ausgeprägter Einsatz im Zentrum des Managing Diversity-Konzepts.
Das
von Thomas vorgeschlagene Instrumentarium zielt auf Überprüfung und
Training der personellen Voraussetzungen für das Management of Diversity,
z.B. durch Verhaltenstests bei den unterstellten MitarbeiterInnen. Die von
ihm in verschiedenen komplexen, aber alltäglichen Situationen
beschriebenen Verhaltensweisen und Fallstudien sind gründlich kommentiert
und regen so die Reflexion an. Der verhaltensorientierte Ansatz
unterscheidet sich wohltuend vom dauernden Nachdenken über die
„Strukturbedingungen“, die man verändern müsse, bevor man Diversity
überhaupt managen könne. Doch wird die Existenz eines
Diversity-Management-Plans als wichtige Bedingung des Gelingens
beschrieben (277).
Die
Probleme internationaler Kooperation (und damit die größeren
Schwierigkeiten im Management of Diversity) werden freilich nicht
aufgegriffen. Nicht reflektiert wird, warum die Furcht
vor kulturellen Grenzüberschreitungen z.B. in in der puritanischen
Unternehmenskultur der Ostküste der USA stärker ausgeprägt ist als etwa
in der High-Tech-Industry Californiens und wie sich das auf die
Kooperation und das Diversity Management in weltweiten Unternehmen
auswirkt. Auch werden teils nicht die wirklich existierenden Vorurteile
thematisiert, wohl um Stereotypen nicht zu verstärken, sondern Thomas
arbeitet mit „künstlichen“ Kulturen. Oft werden Tierbilder verwendet,
z.B. „Wie passen Giraffe und Elefant in ein Haus?“ (Untertitel von
Thomas 2001), d.h. es wir mit
Verfahren der Synektik gearbeitet, was bewirkt, dass man seine eigenen
Verhaltensweisen unbefangener reflektiert, aber der Ansatz ist doch weit
entfernt von der Stufe der Arbeit mit den wirklichen Selbstbildern,
Fremdbildern und vermuteten Fremdbildern, auf der sich andere Berater
bewegen. Dies führt vielleicht eher zu Verletzungen, kann aber auch mehr
bewegen. Eine abschließende Bewertung des Einsatzes von synektischen
Methoden wie Tiergleichnissen oder künstlichen Kulturen in Planpielen
wagen wir derzeit nicht zu formulieren. Sinn macht er wohl, wenn man
Mitarbeiter von internationalen Konzernen auf Auslandsaufenthalte
vorbereitet und an ihrer Persönlichkeit arbeiten lässt, ohne dass man
genau weiß, wann und gehen;
aber wenn man konkrete Kooperationsprobleme bearbeiten will, ist der
Nutzen nicht so klar.
Literatur: R. Roosevelt Thomas,
Management of Diversity, Gabler, Wiesbaden 2001
Barbara
Weißbach
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letzte Bearbeitung: 22.10.09
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