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Innovationsmanagement

Innovationen sind grundlegend neue Produkte, Prozesse oder Organisationsformen, die sich wirtschaftlich und sozial tatsächlich durchsetzen. Es handelt sich also um mehr als graduelle Verbesserungen. Innovationen sind auch abzugrenzen von reinen Inventionen (Erfindungen), die sich (noch) nicht am Markt durchgesetzt haben. Innovationen sind wichtige Voraussetzungen zur Sicherung des Unternehmenserfolgs. Das Innovationsmanagement schafft gezielt das Klima und die organisatorischen Rahmenbedingungen, um Innovationen zu fördern. Grundsätzlich betrachtet das Innovationsmanagement die verschiedenen Phasen des Innovationsprozesses getrennt, um phasenspezifische Engpässe und Probleme gezielter bearbeiten zu können.

In frühen Phasen des Innovationsprozesses geht es vor allem um die Aufdeckung innovationsförderlicher Faktoren, die Förderung der Kreativität, die Nutzung von Kreativitätstechniken und die Rolle des Human Capitals oder von Spin-off-Effekten der Hochschulen  im Innovationsprozess. In weiteren Phasen steht die Eignung und systematische Optimierung spezifischer Systeme, Finanz- und Wissensressourcen, Rechts-, Organisations- und Unternehmensformen zur Förderung der Innovation im Vordergrund (z.B. F&E-Management und -controlling, Entrepreneurship, Venture Capital, Bewertung von Innovationen und Technologieunternehmen, Patent- und Wissensmanagement). In der Phase des Markteintritts sind dann vor allem das Risikoverhalten innovativer Unternehmen, das erfolgreiche Marketing und der Schutz von Innovationen vor Nachahmern sowie der Nutzen für den Kunden bzw. Anwender wichtige Themen.

In makroökonomischer Perspektive werden Innovationswellen und –zyklen untersucht, ferner die Erfolgsbedingungen unterschiedlicher Unternehmer- und Unternehmenstypen bei der Durchsetzung von Innovationen sowie die gesellschaftliche Akzeptanz von Innovationen und die Bereitschaft der Verbraucher, ihr Verhalten zu ändern. In langfristiger Perspektive schließt das Studien zu kulturellen Determinanten der Innovationsgeschehens und damit techniksoziologische Fragestellungen ebenso ein wie Fragen z.B. der regionalen Clusterung und politischen Förderung des Innovationsgeschehens (z.B.: unter welchen Bedingungen sind Effekte, wie sie sich in Silicon Valley ergeben haben, gezielt gestaltbar und wiederholbar?).

Das Innovationsmanagement ist als Fach an der Hochschule immer häufiger mit der Disziplin Entrepreneurship kombiniert. Es wird aber seit dem Boom der New Economy immer öfter als Bestandteil der allgemeinen BWL gelehrt.

Jahrzehntelang sah es so aus, dass sich das Innovationstempo permanent beschleunigt. Angesichts der demografischen Entwicklung in Europa (wie auch z.B. in Japan) Deutschland stellen sich für die Innovationsforscher und –manager jedoch eine Reihe von Fragen:

-               Wie müssen Innovationen und speziell Technologien beschaffen sein, die von einer stark „überalterten“ Bevölkerung akzeptiert werden? In welchen Bereichen entstehen neue Innovationsbedarfe (z.B. Gesundheit, Pflege, Wohnen)?

-               Wie ist es künftig um die Bereitschaft der Endverbraucher zum permanenten Neu-Lernen im Umgang mit neuen technischen Produkten bestellt? Und wie hoch ist seine Bereitschaft, früher Erlerntes, scheinbar „Bewährtes“ wieder zu Vergessen?

-               Welche Folgen ergeben sich aus dem Verlust der Dynamik bisher besonders innovativer Branchen (z.B. IT)? Welche Branchen können sie ersetzen?

Trotz aller Anstrengungen des Innovationsmanagements erfolgen viele wichtige Innovationen jedoch oft ungeplant. Viele Innovationsaktivitäten finden erfolgreich im Geheimen und ohne Wissen des Managements mit illegal beschafften Ressourcen statt („Bootlegging“). Vom Geschäftsbereich Pharma der Bayer AG wird behauptet, dass alle  relevanten Erfolge nach 1945 hinter dem Rücken des Management entwickelt wurden. Es ist also nach wie vor große Skepsis gegenüber der Annahme einer durchgängigen Steuerbarkeit von Innovationen angebracht. Die oft genutzten Modelle zur Beschreibung von Innovationsverläufen (z.B. Kaskadenmodell) erweisen sich meist als zu schematisch; vgl. für die Pharmaindustrie M. Jonas / H.-J. Weißbach / W. Weißbach: Chemieforschung – quo vadis? Dortmund, www.iuk.com /Publikationen.

Hans-Jürgen Weißbach, Mai 2002

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letzte Bearbeitung: 22.10.09