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Kommensurabilität des Wissens
Thomas Kuhn (1970) hat gezeigt, dass die Schaffung
neuen Wissens immer wieder zu Kommensurabilitätsproblemen führt: Es
kommt dabei auf der Wahrnehmungsebene zu Konflikten zwischen verschiedenen
Paradigmen oder Interpretationsmustern. Auf sprachlicher Ebene heißt das,
dass ein Begriff unterschiedliche Dinge bezeichnet (man denke an die
Entwicklung des Kraftbegriffs in der Physik). Wenn es verschiedene
inkommensurable Interpretationsmuster gibt, stellt sich die Frage, wie der
Konflikt zwischen ihnen ausgetragen wird. Bernstein (1992) hebt hervor,
dass die Arbeit mit heterogenen Interpretationsmodellen eine wesentliche
Aufgabe in einer Zeit sich globalisierender Wissenschaft und Zivilisation
ist. Eine spezifischer Beitrag der Kulturwissenschaften könnte darin
bestehen, die lateralen (explorativen, generativen, nicht hierarchischen)
Kompetenzen (de Bono 1970) zu vermitteln, die erforderlich sind, sich auf
das auf das immer schneller verändernde Wissen einzustellen, bzw. die dafür
erforderlichen Eigenschaften als Prinzip zu vermitteln; ein anderer,
ebenso wichtiger Beitrag besteht in der Bemühung der Kulturwissenschaften
um Konsistenz, wobei permanent unbrauchbare Unterscheidungen und solche,
die zur Ausbildung von Kohärenz dienen, unterschieden werden (Fohrmann
1996).
Die Kulturwissenschaften verbinden also die
Anerkennung des kulturellen Relativismus und der Kontextabhängigkeit des
Wissens mit dem steten Bemühen um die Erzeugung kohärenter Strukturen
bei permanenter Überprüfung und Ausscheidung unbrauchbarer
Strukturierungskriterien. Sie haben damit wichtige konzeptionelle,
methodische und Trainingsfunktionen im Hinblick auf die Generierung
strukturierten Wissens und für das Wissensmanagement insgesamt.
Literatur:
R. Bernstein: The New Constellation: The
Ethical-Political Horizons of Modernity/Post-Modernity, Cambridge 1992
E. de Bono: Lateral Thinking. Creativity Step by
Step. New York 1970
Fohrmann, J.: Einleitung, in: J. Fohrmann / H. Müller
(Hrsg.): Systemtheorie der Literatur, München 1996
T. S Kuhn: The Structure of Scientific Revolutions.
Chicago 1970
Hans-Jürgen Weißbach,
2002:
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letzte Bearbeitung: 22.10.09
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