Nach konstruktivistischen Annahmen vollzieht sich Lernen
im Dreischritt von Konstruktion von Wirklichkeit im Wissen um ihre
Relativität, Dekonstruktion (Revision von Perspektiven) und
Rekonstruktion im Sinne eines Rückgriffs auf Theorien oder Fachinhalte,
die in die eigene Wirklichkeit integriert werden (Reich 1996; vgl. auch
Fischer 2003). Aus dieser Trias hat Siebert (2001) ein didaktisches
Verfahren zur Entwicklung konstruktivistischer Lernarrangements
abgeleitet, das gekennzeichnet ist durch
- Perspektivenwechsel
: Betrachtung einer Thematik unter
verschiedenen Gesichtspunkten
- Differenzerfahrung
: Auseinandersetzung mit unterschiedlicher
Einschätzungen und Bewertungen
- Pertuberationen
: Erschütterung selbstverständlicher Wahrheiten
durch Irritationen
- Reframing
: Reflexion des Ausgangsproblems- bzw. Themas innerhalb
eines anderen Kontextes
Aufgabe der Lehrenden ist es nun, Lernumgebungen so zu
gestalten, dass die ständige Reflexion und Revision von
Wirklichkeitskonstruktionen möglich ist, z.B. durch Bereitstellung von
Expertenwissen unterschiedlicher Professionen, durch Eröffnung „fremder"
Erfahrungswelten (z.B. Übernahme von Aufgaben beim Kunden) usw.
Auf der einen Seite stellt die Umsetzung solcher Konzept
gerade KMU vor besondere Probleme: Kollidiert doch die Forderung nach
zeitlichen Freiräumen für entdeckendes Lernen mit den strukturellen
Rahmenbedingungen in KMU. Auch sozial stellt das Paradigma vom „Lerner-Subjekt"
die starke Position der Führungskräfte, besonders der
Eigentümer-Manager in Frage. Auf der anderen Seite bieten jedoch durch
flexible Formen der Arbeitsteilung und das KMU-typische learning by doing
Anknüpfungspunkte für selbstgesteuertes Lernen.
Literatur
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