Grundlage der Evolutionären Personal- und
Organisationsentwicklung, deren Fokus auf der Schaffung von Bedingungen
für die Realisierung innovativer Ziele und autonomer Lernprozesse liegt,
bilden die folgenden Prinzipien einer veränderte Lernkultur, die kreative
Felder im Sinne der Schaffung eines offenen Rahmens für
Lernprozesse entstehen lässt, ohne Lernziele vorab zu definieren:
- Selbstmanagement und proaktives Verhalten
- Prinzip der Verantwortlichkeit
- Lernen durch Erfahrung
- Self-Support
- Förderung von Bewusstheit
- Synergie
- Prozessorientierung
- Transparenz
Zu den PE/OE-Tools einer evolutionären PE/OE werden von
Burow und Hinz (2003) folgende Ansätze gezählt:
Appreciative Inquiry: Im Abgrenzung zu anderen
Methoden der evolutionären PE/OE (z.B. Zukunftswerkstatt) liegt
Schwerpunkt bei dieser Methode auf der Wertschätzung des Vorhandenen und
der Analyse bereits erfahrener persönlicher und kollektiver
Erfolgsstrategien.
Die Appreciative Inquiry gliedert sich in vier Phasen:
- Discovery: Was ist an „Schätzen" in der Organisation
vorhanden, die nur gehoben werden müssen?
- Dream: Visionen entwickeln
- Design: Vereinbaren, was wir gemeinsam anstreben
- Destiny: Konkret die Umsetzung planen
Zukunftskonferenz: Die Methode der Zukunftskonferenz
basiert auf der Grundannahme, dass das zur Veränderung notwendige Wissen
bereits bei den Mitgliedern der Organisation vorhanden ist. Es geht im
Verlauf der Zukunftskonferenz daher vor allem darum, gemeinsam die
Probleme zu artikulieren („owning the problem"), Visionen zu
entwickeln und konkrete Veränderungsstrategien zu vereinbaren. Diese
geschieht dadurch, dass die gemeinsame Geschichte reflektiert wird, die
zentralen zukünftigen Herausforderung untersucht werden, Stärken und
Schwächen analysiert werden und ein „gemeinsamen Grund" formuliert
wird.
Zukunftswerkstatt: Das Instrument der
Zukunftswerkstatt dient der partizipativen Zukunftsgestaltung in
Organisationen. Ziel ist es durch das Aufbrechen von Denkroutinen soziale
Phantasie unabhängig von Sachzwängen zu entwickeln.
Die Zukunftswerkstatt verläuft in der Phasen:
- Kritikphase:
Kritische Bestandaufnahme auf konkretes Thema
bezogen
- Visionenphase:
Zeitreise in die positive Zukunft der
Organisation
- Realisierungsphase:
Entwicklung eines Umsetzungsplans (Was? Wer?
mit wem? bis wann?)
Im Rahmen der Zukunftswerkstatt entwickelt die Gruppe ein
Bild davon, was bei einem positiven Projektverlauf erreicht werden
könnte. Diese Phase der Selbstvergewisserung vermeidet den Rückfall in
Abwehrroutinen; sie sichert Commitment und trägt zur Klärung gemeinsamer
Ziele bei.
Biographisches Lernen: Unter Biographischem Lernen
werden Methoden verstanden, die die Auseinandersetzung mit der eigenen
Lernbiographie, den mentalen Modellen und der sich daraus meist unbewusst
gestalteten Lernkultur zum zentralen Thema machen.
Die Methoden konzentrieren sich auf Formen des Austausches
über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Lernbiographien
der Teilnehmer. Eine Möglichkeit der Visualisierung bzw. Konkretisierung
ist der sog. „Lebensbaum". Dieser Lebensbau wird von den
Teilnehmern gemalt und zur Reflexion biographisch geprägter Muster z.B.
des Lernens genutzt: Was sind meine Wurzeln? Welche Früchte trage ich?
Welche Äste sind wichtig, tragend? Welche lasse ich verkümmern usw.? Was
brauche ich, um mich weiterentwickeln zu können? Usw.
Eine andere Methode ist das „expressives
Selbstportrait". Hierbei malen die Teilnehmer ein großformatiges
Bild, das ihre Rolle in der Organisation mit ihren Fähigkeiten und
Möglichkeiten darstellt. In der gemeinsamen Reflexion soll eine zentrale
Frage für das eigene Bild entwickelt werden. Anschließend sucht sich
jeder Teilnehmer aus 100 Kunstdrucken ein Bild heraus. Das ursprüngliche
Bild wird nun übermalt und neuer Satz formuliert. Diese Methode dient der
persönlichen Zielklärung und Identitätsfindung.
Literatur:
Burow, O.A. / H. Hinz: Evolutionäres Personal- und
Organisationsentwicklungs-System EOPS. In: QUEM Report Heft 76, Teil II:
Lernen in Weiterbildungseinrichtungen. PE/OE-Konzepte. Hg.: ABWF, Berlin
2003, S. 451 ff.