Literatur
[Über eingesandte
Bücher wird hier regelmäßig berichtet.
Einsendungen
von zu rezensierenden Büchern bitte an die WIPER-Redaktion, Prof.
Dr. H.-J. Weißbach, FB 3, Fachhochschule Frankfurt am Main,
Nibelungenplatz 1, 60318 Frankfurt]
Ohne Rezension - und doch
angebracht:
www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/bwl9/
Der Lehrstuhl Innovationsmanagement der TU Chemnitz (Prof. Dr. Manfred
Moldaschl) bietet auf seiner Website eine informative
kommentierte Leseliste zum Thema
Innovationsmanagement an.
Eingesandte
Literatur
Eichmann, Hubert / Kaupa, Isabella / Steiner, Kain (Hg.) (2002): Game Over? Neue Selbständigkeit und New Economy nach dem Hype. Wien (Falter Verlag); 311 Seiten; ISBN 3-85439-290-7
Besprechung vorhanden
Uwe-Peter Kanning: Diagnostik sozialer
Kompetenzen, Kompendien Psychologische Diagnostik, Band 4, 138 Seiten,
Göttingen 2003 (Hogrefe-Verlag), ISBN 3-8017-1641-4, 19,95 €
Besprechung vorhanden
Fritz B. Simon (Hrsg.): Die Familie des Familienunternehmens: Ein System zwischen Gefühl und Geschäft. Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2002. 383 Seiten, 14 Abb., € 34,90, ISBN 3-89670-293-9
Besprechung vorhanden
Eva Kuda, Jürgen Strauß (Hrsg.):
Arbeitnehmer als Unternehmer? Herausforderungen für Gewerkschaften und
berufliche Bildung. Stuttgart (VSA-Verlag) 2002, 175 Seiten, ISBN
3-87975-883-2
Besprechung vorhanden
Hannig,
Uwe (Hrsg.): Knowledge Management und Business Intelligence. Springer
Verlag Berlin / Heidelberg / New York 2002. 472 Seiten, ISBN
3-540-42804-6.
Besprechung vorhanden
Claudia
Eilles-Matthiessen, Natalija el Hage, Susanne Janssen, Antje Osterholz:
Schlüsselqualifikationen in Personalauswahl und Personalentwicklung. Ein
Arbeitsbuch für die Praxis. Verlag Hans Huber, Bern / Göttingen /
Toronto / Seattle, 1. Aufl. 2002, ISBN 3-456-83820-4
Besprechung vorhanden
König,
Manfred / Rainer Völker: Innovationsmanagement in der Industrie. Lehr-
und Praxisbuch für Wirtschaftsingenieure, Betriebswirtschaftler und
Ingenieure. Carl Hanser Verlag, München / Wien 2002, 204 Seiten. ISBN
3-446-21988-9.
Besprechung vorhanden
Haun,
Matthias: Handbuch Wissensmanagement. Grundlagen und Umsetzung, Systeme
und Praxisbeispiele, Berlin/Heidelberg/New York 2002 (Springer), 429
Seiten. ISBN 3-540-67583-3.
Besprechung vorhanden
Chong-Moon
Lee, William F. Miller, Marguerite Gong Hancock, Henry S. Rowen (eds.):
The Silicon Valley Edge. A Habitat for Innovation and Entrepreneurship.
Stanford University Press. Stanford, Cal., 2000.
Besprechung vorhanden
Marhild von Behr, Klaus
Semlinger: Transfer und Steuerung von Wissen. Zur Internationalisierung
kleiner und mittlerer Unternehmen. ISF München. Forschungsberichte, 2001.
ISSN 1615-3340.
Besprechung vorhanden
M.M. Fischer / J. Fröhlich (eds.): Knowledge
Complexity and Innovative Systems. Springer-Verlag
Berlin usw. 2001. ISBN 3-540-41969-1, 477 Seiten.
Besprechung vorhanden
Thomas Heimer / Peter Roßbach (Hrsg.): Management
der Ressource Wissen in Banken. Bankakademie - Verlag Frankfurt 2001. ISBN
3-540-41969-1, 316 Seiten.
Besprechung vorhanden
Klaus North: Wissensorientierte
Unternehmensführung. 2. Aufl. Gabler Verlag Wiesbaden 1999.
Besprechung vorhanden
Probst, Gilbert/Steffen Raub/Kai
Romhardt: Wissen managen. FAZ/Gabler, Frankfurt/Wiesbaden, 3. Aufl. 1999
Besprechung
in Vorbereitung
B. Geldermann u.a.:
Unternehmensnetzwerke durch neues Lernen. Die Textilbranche in der
Lernenden Region sächsisches Vogtland und Oberfranken. Berufliche
Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz). Wirtschaft und
Weiterbildung Bd. 20, Bielefeld (Bertelsmann) 2000, ISBN 3-7639-0150-7.
Besprechung vorhanden
Heiko Roehl: Instrumente der
Wissensorganisation. Perspektiven für eine differenzierende
Interventionspraxis, Wiesbaden 2000 (Deutscher Universitäts-Verlag), 410
Seiten
Besprechung
vorhanden
Besprechungen:
Eichmann, Hubert / Kaupa, Isabella / Steiner, Kain (Hg.) (2002): Game Over? Neue Selbständigkeit und New Economy nach dem Hype. Wien (Falter Verlag); 311 Seiten; ISBN 3-85439-290-7
Nach dem Ende des Höhenfluges der New Economy stellt sich die Frage, was bleibt und in welcher Hinsicht sich die Arbeitswelt verändert hat. So zielt der vorliegende Sammelband darauf, aus „unterschiedlichen Perspektiven jenseits der Hype-Metaphorik nach Kontinuitäten und Brüchen zu Phänomenen der neuen Arbeitswelt“ (S. 8) zu fragen. Metaphorisch lässt sich fragen, ob das Spiel „New Economy“ nun aus sei, was auch der Titel „Game Over?“ suggeriert.
Alles in allem leistet der vorliegende Sammelband im Spektrum der Veröffentlichungen über die Veränderung der Arbeitswelt einen guten Beitrag. Die meisten Aufsätze – bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Weiss) – greifen auf umfangreiches empirisches Datenmaterial zurück, das nicht selten aus eigenen Erhebungen stammt. Damit wird die Argumentation transparent.
Doch täuscht der Untertitel „Neue Selbständigkeit und New Economy nach dem Hype“ insoweit, als der Einblick in die überlebenden New Economy-Unternehmen weitgehend fehlt. D.h. es wird nicht deutlich, wie die entsprechenden Unternehmen nach dem Crash aufgestellt sind. Vielmehr stehen die aufs Individuum bezogene Tendenzen zur selbständigen Arbeit, sei es als Selbstständige/r oder auch im Angestelltenverhältnis, und die damit zusammenhängenden Prozesse der Atypisierung von Arbeit im Vordergrund.
U.a. werden folgende Phänomene der neuen Arbeitswelt untersucht: atypische Beschäftigung, Selbstständigkeit, die Zukunft der politischen Regulierung und das soziologische Konzept des Arbeitskraftunternehmers. Die Fragestellungen reichen von der Förderung selbstständiger Arbeit durch Informations- und Kommunikationstechnologie (Flecker / Kirschenhofer / Riesenecker-Caba) über einen internationalen Vergleich der Selbstständigkeit (Leicht / Luber) bis hin zu einem Erfahrungsbericht einer Ein-Personen-Unternehmerin (Schubert).
Die New Economy kommt insoweit zum Tragen, als in einer Mehrzahl der Beiträge auf die Arbeitsbedingungen in den neuen Branchen Bezug genommen wird. Dies geschieht jedoch in wenig differenzierter Form. So können etliche Beiträge nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wissenschaftliche Betrachtung der New Economy an einer fehlenden Definition des typischen New Economy-Unternehmens krankt. Mangels einer solchen wird nicht selten das Bild der öffentlichen Meinung von der New Economy zum Ausgangspunkt von wissenschaftlichen Betrachtungen genommen. Dies beinhaltet Gemeinplätze wie die Unseriosität des Booms der vielen börsennotierten Unternehmen der IT-Industrie oder das Klischee, dass die neuen Unternehmen eine große Familie seien. Eine Ausnahme bildet hierbei der Beitrag von Hubert Eichmann, einem der Herausgeber, der sich der Gültigkeit des Arbeitskraftunternehmerkonzeptes in der IT- und Medienindustrie widmet, indem er „New Economy“ und damit seinen Bezugsrahmen klar umreißt.
Die definitorischen Unschärfen führen ansonsten zu Defiziten an wissenschaftlicher Korrektheit. Es wird nicht immer deutlich, auf welche Art von Unternehmen sich Thesen und nicht selten auch Forschungsergebnisse beziehen, so dass Aussagen im Raume stehen bleiben ohne hinterfragt werden zu können. Ein Beispiel hierfür ist der Beitrag von Birgit Weiss: Ihre Argumentation, wieso die „gläserne Decke“ in der New Economy für Frauen weiterhin existiert und nicht die große Liberalität den Frauen (endlich) die vollkommene Chancengleichheit bietet, ist zwar durchaus plausibel, doch fehlen ihr die wissenschaftlichen Belege und hier allen voran die Empirie, um ihre Argumente stichhaltig zu belegen.
Obgleich es im abschließenden Teil des Bandes um politische Handlungsspielräume und damit u.a. um das Thema der betrieblichen Interessenvertretung geht (anhand von Unternehmen mit vorwiegend atypischen Beschäftigungsverhältnissen), verfallen Geschwandtner, Buchinger und Gödl nicht in die gewerkschaftliche Rhetorik, die sonst oftmals zu finden ist.
Das eingangs benannte Ziel, aus unterschiedlichen Perspektiven und vor allem auch ohne Häme die von der New Economy angestoßene Veränderung der Arbeitswelt zu beleuchten, wird insgesamt zufriedenstellend erfüllt. Der Sammelband bereichert in differenzierter Weise das Spektrum der Veröffentlichungen zur Veränderung der Arbeitswelt. Politische wie auch gewerkschaftliche Handlungsspielräume und -notwendigkeiten werden offenbar, ohne sich aufzudrängen. Allenfalls die Schwäche der Diskussion um den aktuellen Zustand der eigentlichen New Economy bleibt zu bemängeln, aber selbst die hebt sich im Vergleich zu anderen (weit weniger differenzierten) Veröffentlichungen noch positiv ab.
Dipl.-Päd. Tina Lachner (März 2004)
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Uwe-Peter
Kanning: Diagnostik sozialer Kompetenzen, Kompendien
Psychologische Diagnostik, Band 4, 138 Seiten, Göttingen 2003 (Hogrefe-Verlag),
ISBN 3-8017-1641-4, 19,95 €
Soziale
Kompetenzen sind für ein befriedigendes Miteinander im
zwischenmenschlichen Bereich essentiell. Im beruflichen Kontext gehören
sie zu den Schlüsselqualifikationen, die neben die fachlichen Kompetenzen
treten müssen, damit jemand im Job erfolgreich ist. Die Diagnostik
sozialer Kompetenzen ist demnach ein Thema, dem sowohl in der klinischen
Psychologie als auch in der Personaldiagnostik große Bedeutung zukommt.
Vor
diesem Hintergrund setzt sich Uwe Peter Kanning das Ziel, einen Einblick
in die unterschiedlichen Methoden zur Diagnose sozialer Kompetenzen zu
geben, wobei er sich gleichermaßen an „psychologisch vorgebildete
Leser und Studierende als auch an psychologische Laien, die sich
beispielsweise als Mitarbeiter von Personalabteilungen, als Führungskräfte,
Lehrer oder Erzieher oft täglich mit Fragen der Diagnose sozialer
Kompetenzen beschäftigen müssen“ (S. 9) wendet.
Im
ersten Kapitel gibt Kanning einen knappen Überblick über den Begriff der
sozialen Kompetenz und grenzt ihn von verwandten Konzepten wie
„soziale Intelligenz“ und „emotionale Intelligenz“, ab. Er macht
deutlich, dass bereits mit der Festlegung auf einen bestimmten
Kompetenzbegriff eine weitreichende Vorentscheidung für geeignete
Diagnoseverfahren getroffen wird. Versteht man - wie der Verfasser - unter
Kompetenz ein Potenzial des Individuums und differenziert somit
prinzipiell zwischen den Fähigkeiten und Fertigkeiten auf der einen Seite
und dem Verhalten in einer konkreten Situation auf der anderen, dann kann
eine Person auch dann als kompetent gelten, wenn im Einzelfall einmal
nicht die gewünschten Handlungskonsequenzen entstehen. Man muss
konsequenterweise die Person in mehreren Situationen beobachten, um eine
seriöse Basis für die Prognose künftigen Verhaltens zu gewinnen. Somit
wird eine Differenzierung zwischen Kompetenz und kompetentem Verhalten
vorgenommen, indem Kompetenz eine Disposition, nicht aber eine
Garantie für kompetentes Verhalten darstellt.
Diese
Unterscheidung stellt in der Folge dann auch die Weichen für die
Systematisierung der diagnostischen Methoden, die in den nächsten
Kapiteln vorgestellt werden: Kognitive Leistungstests (Kap. 2), die die
kognitiven Grundlagen sozial kompetenten Verhaltens direkt erfassen
sowie Methoden, die auf Verhaltensbeobachtungen (Kap. 3) und Verhaltensbeschreibungen
(Kap.4) basieren - und somit die sozialen Kompetenzen indirekt über
das Verhalten in bestimmten Situationen erfassen.
Der
Erkenntnisgewinn, den der Leser durch die Arbeit von Kanning gewinnt,
liegt vor allem darin, dass der Autor den Begriffssalat, der sich
inzwischen entwickelt hat, um Fähigkeiten und Fertigkeiten jenseits der
Fachkompetenz zu beschreiben - und der nicht nur in der öffentlichen,
sondern auch in wissenschaftlichen Diskussion durch große Beliebigkeit
gekennzeichnet ist - zu entwirren. Ein zweiter wesentlicher Vorzug der Veröffentlichung
liegt in der strukturierenden Vorgehensweise, die nahezu unübersichtliche
Vielzahl diagnostischer Instrumente in eine sinnvolle, auf grundlegende
Annahmen und Differenzierungen basierende, Ordnung zu bringen, die es
dem Leser drittens ermöglicht, sich kurz und knapp einen Überblick darüber
zu verschaffen, was an diagnostischen Instrumenten derzeit überhaupt
verfügbar ist. Letzteres ist für die diagnostische Praxis sehr
wesentlich, da man „nicht einfach auf ein etabliertes Instrument zur
Messung der sozialen Kompetenz zurückgreifen kann“ (S. 124), sondern
sich intensiv mit der Frage auseinandersetzen muss, welche Kompetenzen im
konkreten Fall wirklich interessieren, um das geeigneteste Instrument
auszuwählen.
Bei
dieser Anlage des Buches, das Ein- und Überblicke geben soll, ist es nur
natürlich, dass die ausführliche und beispielhafte Darstellung der
Funktionsweise sowie der Vor- und Nachteile einzelner Instrumente zu kurz
kommen muss. Einzig das Assessment Center - als aufwändigste Methode, die
auf Verhaltensbeobachtung beruht - wird in Form eines „Praxisbeispiels“
(Kap. 6) ausführlicher und sehr anschaulich dargestellt. Allerdings gibt
das Buch zahlreiche Anregungen und auch weiterführende Literaturhinweise,
die dem interessierten Leser eine gute Basis für eine weitere Erkundungen
des Terrains bereiten.
Prof.
Dr. Martina Voigt, Fachhochschule Frankfurt am Main, Fachbereich 3:
Wirtschaft und Recht, Jan. 2004
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Fritz B.
Simon (Hrsg.): Die Familie des Familienunternehmens: Ein System zwischen Gefühl und Geschäft. Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2002. 383 Seiten, 14 Abb., € 34,90, ISBN 3-89670-293-9
Mit dem vorliegenden Sammelband schließt Simon zweifelsohne eine Lücke. Schließlich sind bei Familienunternehmen die Spezifika der Verflochtenheit von Familie (Gefühl) und
Unternehmen (Geschäft) bislang kaum berücksichtigt worden. Das liegt zum einen daran, dass
Unternehmen eher im Zentrum von organisationstheoretischen Überlegungen stehen, während Familien ‚naturgemäß’ eher familiensoziologischen Betrachtungen unterzogen werden. Es sind eben „zwei Spielfelder mit unterschiedlichen Spielregeln“ (S. 37).
Simon entfaltet in seinen Aufsätzen die Verstrickung zwischen Familie und Unternehmen anhand der drei Dimensionen „Familie“, „Unternehmen“ und „Eigentum“. In den sich überschneidenden Kreisen ergeben sich vielfältige Konstellationen für Unternehmen (z.B. Familie ist Eigentümer, aber nicht deckungsgleich mit dem Unternehmen). Damit schafft er eine
Differenzierungsfolie, die sich zur Betrachtung eines jeden Familienunternehmens eignet.
Zentrales Thema in Familienunternehmen – und das wird durch die zahlreichen Fallbeispiele im Buch auch deutlich – ist die Nachfolgeregelung. Die Übergabe von einer an die nächste Generation ist nicht selten mit Konflikten behaftet. Aus der Familien- und
Unternehmenskonstellation resultieren Problemlagen, die sich nicht zweifelsfrei dem Unternehmen oder der Familie hinzurechnen lassen – z.B. wenn der Sohn andere Vorstellungen von der Führung des Unternehmens hat, gar nicht in die Fußstapfen des Vaters treten möchte und sich damit den Erwartungen des Vaters entgegenstellt, oder wenn zwei Söhne und deren Ehefrauen im
Familienunternehmen aktiv sind.
Durch die Fallbeispiele aus den unterschiedlichen Kontexten werden einzelne Problemlagen und deren individuelle Lösungen dezidiert illustriert: z.B. auch durch Organisations- bzw. Familienaufstellungen (s. Beitrag von Gunthard Weber), die ausführliche Darstellung der Konstellationen und der Historie des Familienunternehmens oder durch die Schilderung des Lösungsprozesses.
Gleichzeitig kommt durch die Fallbeispiele die lebensgeschichtliche Komponente der Akteure in der Unternehmensentwicklung zum Tragen. So sind die teilweise langen Schilderungen der Familiengeschichte und -konstellationen für den in erster Linie an
Unternehmenskonstellationen interessierten Leser bisweilen langatmig, aber dennoch für das Verständnis der
individuellen Situation wichtig.
Der Fokus auf die Familie des Familienunternehmens (auch wenn dieser beabsichtigt ist) führt bisweilen zu einem Mangel an theoretischer Differenzierung, indem in den Beispielen der anderen Autoren die theoretischen Implikationen der Verstrickung zwischen Unternehmen und Familie bisweilen in erster Linie unter dem familiengeschichtlichen Aspekt und nicht mittels der von Simon vorgenommene Differenzierung zwischen Familie, Unternehmen und Eigentum eingeordnet werden. Das muss der Leser selbst vornehmen.
So bleibt Simon mit seinen Beiträgen auf doch weiten Strecken alleine, wenn es um eine
theoretische Engführung von Aspekten geht. Der Aufsatz von Sieder bildet hierbei die Ausnahme. Er ordnet sein Fallbeispiel Bourdieus Kapitalarten (ökonomisch, sozial, kulturell) zu und schafft so eine weitergehende Perspektive.
Alles in allem handelt es sich um eine lohnende Lektüre, die den Blickwinkel für
familiensoziologische Aspekte in Unternehmen öffnet, sei es für die Verstrickung zwischen
Unternehmerfamilien und Unternehmen oder auch für die „familialen“ Aspekte in Unternehmen, die sich gar nicht als Familienunternehmen im engeren Sinne auffassen lassen – aber das
Familienunternehmen gibt es eben nicht.
Tina Lachner, Dipl.-Päd., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich 3: Wirtschaft und Recht der FH Frankfurt am Main (Nov. 2003)
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Eva
Kuda, Jürgen Strauß (Hrsg.): Arbeitnehmer als
Unternehmer? Herausforderungen für Gewerkschaften und berufliche Bildung.
Stuttgart (VSA-Verlag) 2002, 175 Seiten, ISBN 3-87975-883-2
Mit
ihrem Konzept des „Arbeitskraftunternehmer“ haben Pongratz und Voß
seit 1998 einen wesentlichen Beitrag zur Diskussion rund um die Veränderung
der Arbeit geleistet. Begriffe wie „Ich-AG“, „Selbst-GmbH“ und „Intrapreneur“
beziehen sich zwar vielleicht nicht unmittelbar auf ihr Konzept, weisen
jedoch auf solche Tendenzen hin.
Gerade im gewerkschaftlichen Bereich stoßen solche Begriffe und Konzepte
aufgrund ihres oftmals neoliberalen Zungenschlages auf Kritik. Vor diesem
Hintergrund ist es Eva Kudas und Jürgen Strauß Ziel, mit dem vorgelegten
Sammelband einen klärenden Beitrag zur Kontroverse um das Konzept des
Arbeitskraftunternehmers zu leisten und die Kontroversen zu bündeln.
Gelungen ist es ihnen, Konfliktlinien zwischen aktuellen Konzepten wie dem
des Arbeitskraftunternehmers und gewerkschaftlichen Positionen näher zu
umreißen. Von einer Klärung der Kontroverse kann allerdings nicht die
Rede sein.
Neben
Beiträgen von Pongratz (er stellt das Konzept des
Arbeitskraftunternehmers in Kürze dar, um daraus Herausforderungen für
die Gewerkschaften abzuleiten) und Voß (zum Konzept des Individualberufs
und daraus sich ergebenden Anforderungen an die berufliche Bildung) sind
Autoren vertreten, die die Anforderung unternehmerischen Handelns und die
notwendige Ausbildung reflexiver Kompetenzen im Sinne des
Individualberufes auf unterschiedliche Bereiche der Berufsbildung
beziehen, sei es z.B. in Form einer Anforderungsanalyse in einem
industriellen Arbeitsbereich (Gerd Gidion), eines Leitbildes zur
Modernisierung von Ausbildungsberufen (Michael Ehrke), einer
Problematisierung des Übergang von der Berufsausbildung ins Arbeitsleben
(Wilfried Kruse) oder der Weiterentwicklung des
Arbeitskraftunternehmer-Modells in Richtung eines Konzeptes vom
Arbeitkraftkapitalisten (Stefan Kühl).
Wenngleich die genannten Beiträge zum größten Teil dem Modell des
Arbeitskraftunternehmers recht kritisch gegenüber stehen, beschränken
sie sich doch oft auf einzelne Aspekte des Konzeptes, um daran entlang
ihre eigentlichen Themen zu entfalten. So nehmen sie die Veränderungen
der Arbeitswelt als gegeben an und ziehen daraus ihre Schlussfolgerungen.
Eva
Kuda versucht z.B. in ihrem Beitrag das Konzept des
Arbeitskraftunternehmers als neues Leitbild von Facharbeiter/innen in die
gewerkschaftliche bildungspolitische Diskussion zu integrieren, und zwar
ohne es zu verteufeln. Sie macht den emanzipatorischen Gehalt der
Vermittlung von ganzheitlicher Prozessorientierung im Sinne
unternehmerischen Handelns an Facharbeiter/innen deutlich: das sei ja im
Sinne gewerkschaftlicher Positionen.
Andere
Beiträge nehmen das Konzept als ganzes in den Blick. Ingrid Drexels
Kritik, die im Ideologieverdacht gipfelt, ist durchaus berechtigt, wenn es
z.B. um die von Pongratz und Voß charakterisierten historische Abfolge
von Arbeitkrafttypen (vom „proletarisierten Lohnarbeiter“ der Frühindustrialisierung
über den „verberuflichten Arbeitnehmer“ im Fordismus hin zum „verbetrieblichten
Arbeitskraftunternehmer“) geht. Dies kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen,
dass sie - wie z.B. auch Klaus Lang oder Jürgen Strauß - keinen
Reformbedarf im Bereich der Gewerkschaften wahrnehmen und mit ihrer
bisweilen „Klassenkampf-Rhetorik“ ihre eigenen theoretischen Einwände
gegen das Modell gewissermaßen entkräften. Mitunter schlägt einem beim
Lesen eine eklatante Selbstherrlichkeit entgegen, mit der gefordert wird,
durch gewerkschaftlichen Einfluss die „verständlichen Wünsche nach
Selbstorganisation und Selbständigkeit in der Arbeit“ zu fördern, die
„negativen Elemente, die das Bild des ‚Arbeitskraftunternehmers’ prägen“,
jedoch auszuschließen (Lang, S. 35f.).
Aber bekanntlich stoßen die Gewerkschaften mit dem penetrant warnenden
Zeigefinger bei den betroffenen Angestellten ganz und gar nicht auf offene
Ohren. So lassen die Autoren/innen außer Acht, dass die Instrumente und
Vorstellungen der Gewerkschaften in weiten Bereichen der Realität nicht
mehr gerecht werden. Schließlich gibt es in vielen – gerade jüngeren
– Unternehmen der IT- und anderer Branchen – also dort, wo
hochqualifizierte Arbeitnehmer/innen am ehesten dem Modell zu folgen
scheinen - keine Betriebsräte mehr. Auch sind die Unternehmen selten
genug Mitglied in einem Arbeitgeberverband, so dass kollektive Partner für
die Aushandlungsprozesse fehlen, die gefordert werden, um die negativen
Seiten des Arbeitskraftunternehmers durch Regelungen in Grenzen zu halten
bzw. auszuschließen.
Einzig
Pongratz thematisiert die ausstehende notwendige Entscheidung der
Gewerkschaften, ob und „wie weit sie ein derart erweitertes Spektrum von
Erwerbsarbeit abdecken wollen und können“ (S. 19). Wenn ja, dann müssten
sie ihren Vertretungsanspruch in doppelter Hinsicht, nämlich in
inhaltlicher und institutioneller, erweitern, aber fraglich sei dann,
„ob dafür eine pauschale Entgegensetzung von Unternehmer und
Arbeitnehmer hinreicht“ (S. 21) - oder eben aufgeben werden müsste.
Das ist genau die Frage nach der Reformbedürftigkeit und -fähigkeit der
Gewerkschaften, die trotz des weiten Spektrums an Beiträgen leider
unbeantwortet bleibt, deren Diskussion aber wesentlich zu einer weiteren
Klärung der Kontroverse zwischen Arbeitskraftunternehmer-Konzept und
gewerkschaftlichen Positionen beigetragen hätte.
Dipl.-Päd.
Tina Lachner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich 3: Wirtschaft
und Recht der FH Frankfurt am Main, August 2003
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Hannig,
Uwe (Hrsg.): Knowledge Management und Business Intelligence. Springer
Verlag Berlin / Heidelberg / New York 2002. 472 Seiten, ISBN
3-540-42804-6.
Der
Reader vereint 33 Beiträge - überwiegend von IT-Anbietern - zum Thema
"Zusammenwachsen von Wissensmanagement und Business Intelligence"
(Managementinformationssystemen). Zumindest wird eine solche Tendenz zum
Zusammenwachsen für die letzten Jahre postuliert. Der Herausgeber
scheint in seiner Person den Trend zu bestätigen, da er zufällig Leiter
zweier Institute ist, die just beide Themenbereiche abdecken. Die These
kann jedoch nur überzeugen, wenn man Wissensmanagement - wie es hier der
Fall zu sein scheint- auf Installation und Nutzung von Data
Warehouse-Konzepten reduziert, ein Trend, der sich vor allem in Banken und
Versicherungen mit Massendatenhaltung findet. Das Bild, das sich dem Leser
bietet, entspricht jedoch weniger dem eines produktiven Zusammenwachsens
sondern einer zersplitterten IT-Angebotspalette vieler
"eintagsfliegenverdächtiger" Produkte und Lösungsansätze, die
hier wetigehend beziehungslos nebeneinander präsentiert werden. So
entsteht der Eindruck, dass nach dem absehbaren Ende des kurzen aber
heftigen Wissensmanagement-Booms der Anwender wieder in die heile
zentralistische Welt der Managementinformationssysteme zurückgelotst
werden soll.
Die
Beiträge handeln in ihrer Mehrzahl von einzelnen IT-Werkzeugen, nur
wenige beziehen sich ernsthaft auf betriebliche Implementationsproblemen.
Wenn überhaupt trifft man auf kühne Thesen zu diesem Thema wie:
"Bezüglich der organisatorischen Umsetzung von Wissensmanagement
gibt es kaum Unterschiede zwischen Groß- und Kleinbetrieben." (8)
Auch der Aspekt der Human Resource Management - obwohl in einem Beitrag
von Ohlhausen (IAO) als "Dreh- und Angelpunkt" des
Wissensmanagements bezeichnet (81)- wird außerhalb dieses einen Aufsatzes
kaum thematisiert. Das IAO hat immerhin herausgefunden, dass weniger als
18 % der Unternehmen materielle Anreize für die Wissensabgabe nutzen.
(Wir bezweifeln selbst diese Zahl; sie dürfte auch Prämien im Rahmen des
konventionellen betrieblichen Vorschlagswesens usw. enthalten).
Skeptische
oder problemorientierte Beiträge sind - wie immer, wenn
Herstellerinteressen dominant sind - die Ausnahme (z.B. Joppe: Viel Wissen
- wenig Management, S. 213 ff.). Diese Skepsis bezieht sich eher implizit
und beiläufig auf die zentrale These des Bandes, nämlich die des
Zusammenwachsens der heterogenen Anwendungen in KMU und generell in
Branchen, in denen keine Massendaten verarbeitet werden, an der Spitze der
Organisation. Z.B. konstatiert Joppe (213): "Die besten Ergebnisse in
der Unternehmenspraxis erzielen derzeit schlichte Workshops mit den
Problemträgern eines spezifischen Transferproblems, wenn diese Workshops
vor allem zwei Punkte thematisieren:
-
konkrete Wissensbarrieren
- quantifizierte Wirkungsketten" (z.B.: wenn Daten über X fehlen,
entstehen Mehrkosten in Höhe von y €).
"Danach
sind die Mitarbeiter geschockt ... Das sind alles Maßnahmen, die nicht
das geringste mit Data Warehousing zu tun haben. Sie haben vielmehr etwas
mit Führungskultur und mit Organisationsentwicklungskompetenz zu
tun" (214). Und: "In Krisen ist das angesammelte Wissen über
Nacht oft nichts mehr wert ... Erfolgsentscheidend ist deshalb nicht, sich
Zugang zu vorhandenem, sondern zu neuem Wissen zu verschaffen" (215).
Dafür sind allenfalls Simulationsprogramme wichtig (die freilich auf
vergangenheitsbezogenen Daten basieren).
Der
Nutzen des Glossars ist durch extreme Kürze, mangelnde Querverweise und
viele unerläuterte Begriffe fragwürdig. Die Anbieterliste ist
ungegliedert und unkommentiert.
Hans-J.
Weißbach, FH Frankfurt - Feb.2003
zurück
Claudia
Eilles-Matthiessen, Natalija el Hage, Susanne Janssen, Antje Osterholz:
Schlüsselqualifikationen in Personalauswahl und Personalentwicklung. Ein
Arbeitsbuch für die Praxis. Verlag Hans Huber, Bern / Göttingen /
Toronto / Seattle, 1. Aufl. 2002, ISBN 3-456-83820-4
Schaut man sich die gängigen Anzeigen im
Stellenteil der Zeitungen an, so begegnen uns alltenhalben "Schlüsselqualifikationen“:
Sie werden ab einer mittleren Führungsposition fast von jedem zukünftigen
Stelleninhaber erwartet . Dabei werden besonders häufig Problemlösungsfähigkeiten
(Auffassungsgabe, Kreativität, Analyse- und Denkfähigkeit),
Arbeitstugenden wie Selbstständigkeit und Sorgfalt, soziale und
kommunikative Kompetenzen sowie unternehmerische Fähigkeiten wie
Entscheidungsfreudigkeit und Leistungsbereitschaft erwartet. Oft entsteht
bei der Durchsicht von Ausschreibungen und Anzeigen jedoch der Eindruck
der Floskelhaftigkeit, Beliebigkeit und Austauschbarkeit der viel
zitierten Schlüsselqualifikationen. Spätestens im Bewerbungsgespräch
macht sich bei Führungskräften und Personalleitungen dann eine gewisse
Unsicherheit darüber breit, wie man denn diese Schlüsselkompetenzen
messen will: Woran merkt man, ob jemand analytisch und kreativ denken
kann, teamfähig, sorgfältig und entscheidungsstark ist? Während
Bewerbungsunterlagen zumindest über die fachlichen Qualifikationen und
berufliche Vorerfahrungen einiges aussagen können, werden in der „face-to-face“-Bewerbungssituation
häufig der erste Eindruck und die Intuition der Entscheidungsträger
entscheidend. Oder aber die Auswahl erfolgt gar nach dem Kriterium der (Selbst-)Ähnlichkeit,
weil Personalverantwortliche nicht wissen, wie sie sich über den Ausprägungsgrad
der gewünschten Schlüsselqualifikationen des Bewerbers hinreichend
informieren können. Eine Restunsicherheit bleibt immer bestehen – denn
auch Entscheidungsträger unterliegen den Mechanismen selektiver
Wahrnehmung.
Diesem Dilemma scheinen zumindest die
Personalleitungen und Führungskräfte in größeren Unternehmen enthoben,
die Assessment Center (AC) durchführen: Mit Hilfe standardisierter Tests,
fiktiver Fallbeispiele, von Rollenspielen und Gruppendiskussionen können
Schlüsselkompetenzen gemessen werden. Der sehr subjektive und selektive
erste Eindruck des Bewerbungsgesprächs mit seinen kaum hinterfragten
Auswahlmechanismen erfährt eine Korrektur. In kleineren und mittleren
Unternehmen jedoch werden Assessments eher selten durchgeführt: Sie
erscheinen zu aufwändig und es fehlt an den Ressourcen, um sie zu
konstruieren, durchzuführen und auszuwerten.
Das Buch will praktische Arbeitshilfen vor
allem bei der Personalauswahl, aber auch bei der Personalentwicklung
bieten. Dazu gehört zunächst ein Überblick über Möglichkeiten der
Analyse von Bewerbungsunterlagen, gängige Testverfahren,
Bewerber-Interview und situative Verfahren, wie sie auch aus dem AC
bekannt sind. Testverfahren werden erläutert und Entscheidungshilfen zur
Auswahl eines geeigneten Instruments bereit gestellt. Sodann werden die
Schlüsselkompetenzen unterteilt in Basisanforderungen, kommunikative und
soziale Anforderungen im Umgang mit Anderen, Anforderungen für spezielle
Situationen wie beispielsweise den Auslandseinsatz und schließlich in
Arbeitstechniken.
Die Schlüsselkompetenzen werden jeweils in
Überblickstabellen definiert und operationalisiert, mit Indikatoren
versehen und nach verwandten Merkmalen befragt. Für immerhin ca. 40
Basis- und soziale Kompetenzen sowie für 12 Kompetenzen in besonderen
Situationen und 5 Arbeitstechniken wird diese Vorgehensweise konsequent
angewendet. Testverfahren werden detailliert nach Kriterien wie
Anwendungsbereich, Materialien, Durchführung, Auswertung, Zuverlässigkeit
und Zeitbedarf beschrieben und erleichtern die Entscheidung. Die
Quellenangaben erlauben dem Leser den Bezug der jeweiligen Testunterlagen.
Auch für Zwecke der Personalentwicklung
sind die Definitionen und Operationalisierungen von Schlüsselkompetenzen
wirksam einzusetzen. Sie erlauben auf der Basis von im Arbeitsalltag
beobachteten Kompetenzen einere wesentlich systematischere Anleitung,
Unterstützung und Auswahl von Personal, das auf bestimmte Positionen und
Aufgaben vorbereitet werden soll oder dessen in Ansätzen bereits
vorhandenen Kompetenzen durch gezielte Entwicklungsmaßnahmen gefördert
werden sollen.
Die sorgfältige und gut aufbereitete
Darstellung der Verfahren und Instrumente zur Auswahl neuen und
Entwicklung vorhandenen Personals stellt eine komfortable Arbeitshilfe für
Personalverantwortliche, aber auch für externe Experten der
Personalentwicklung dar, die beispielsweise in Unternehmen solche
Verfahren einführen sollen. An praktische Hinweise und einen Leitfaden
zur Erstellung von Anforderungsprofilen ist ebenfalls gedacht worden. Gut
lesbare Überblickstabellen erleichtern die Auswahl geeigneter Methoden
und Vorgehensweisen. Dem Praktiker mag angesichts der Fülle und
Bandbreite vielleicht gegen Ende der Lektüre der Kopf schwirren – wenn
man sich jedoch zurück besinnt auf diejenigen Schlüsselkompetenzen, auf
die es einem im konkreten Fall ankommt, wird die Orientierung leichter.
Zudem wird der Praktiker eher zu einer selektiven Vorgehensweise tendieren
und sich von vornherein auf die im jeweils eigenen Unternehmen geforderten
Schlüsselkompetenzen konzentrieren. Dass dies möglich ist und man bei
Bedarf immer wieder neu und selektiv in die Lektüre einsteigen kann, ist
ein weiteres Verdienst des Buches.
Gerade für kleinere und mittlere
Unternehmen mag es hilfreich sein, wenn praktizierte
Personalentwicklungsziele und Auswahlverfahren von externen Beratern
weiter herunter gebrochen und für den konkreten Einsatz zusätzlich
aufbereitet werden. Auch wenn das Unternehmen die Tests nicht selbst
durchführt, stellt das Buch doch eine Auswahlhilfe dar.
Dass die viel zitierten und oft
strapazierten Schlüsselkompetenzen keine Floskeln oder unerlässliches
formales Beiwerk für Stellenausschreibungen ab Gruppenleiterebene aufwärts
bleiben müssen, ist ein außerordentliches Verdienst der Autorinnen. Die
Leserin und der Leser haben nach Lektüre des Buches eine sehr viel
konkretere Vorstellung über Schlüsselqualifikationen als vorher. Der
Einsatz der vorgeschlagenen Vorgehensweisen und Methoden – von
lizensierten Tests einmal abgesehen - für das Bewerbungsgespräch oder
bei der Analyse von Bewerbungsunterlagen ist ohne weiteres möglich. Auch
für die Konstruktion von Assessment Centers liefert das Buch einen
hilfreichen Überblick und wertvolle Hinweise. Unternehmen, die diesen
Schritt als Maßnahme der Personalauswahl und –entwicklung anstreben,
steht damit ein verständliches und komfortables Werk zur Verfügung, das
aufgrund seiner „Handfestigkeit“ durchaus die Qualitäten einer
Handreichung hat. Dass die präsentierten Methoden und Vorschläge
wissenschaftlich fundiert sind, entgeht dem entsprechend gebildeten Leser
nicht – ein Vorteil des Arbeitsbuchs besteht sicher darin, dass diese
wissenschaftliche Fundierung keinen Praktiker abschrecken muss!
Dr. Barbara Weißbach, IUK Institut
Dortmund, Unternehmensberaterin und Personalentwicklerin (Okt. 2002)
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König,
Manfred / Rainer Völker: Innovationsmanagement in der Industrie. Lehr-
und Praxisbuch für Wirtschaftsingenieure, Betriebswirtschaftler und
Ingenieure. Carl Hanser Verlag, München / Wien 2002, 204 Seiten. ISBN
3-446-21988-9.
Die Autoren –
Professoren der FH Ludwigshafen - legen ein typisches
„Fachhochschulskript“ mit all seinen Stärken und – in diesem Fall
eher - Schwächen vor. Kurz, prägnant, dabei mit vielen Folien und
Handlungshilfen, aber mit sehr geringem Vertiefungsgrad – so präsentiert
sich das Buch, das sich konsequent an der klassischen Produktinnovation,
am Produktlebenszyklus und den damit verbundenen Strategie- und
Marketingfragen (Produktplanung, Boston-Portfolio, Marktstrategie) der
Industrie orientiert. Den impliziten Hintergrund bildet die Großserienfertigung
der Automobil- und Elektrounternehmen. Diese Fokussierung lässt Fragen
des Innovationsmanagements in „neuen“ Segmenten, aber auch Probleme
von Prozessinnovationen und begleitenden organisatorischen und kulturellen
Innovationen in den Hintergrund treten. Wer sich für den IT-Bereich, das
e-Business, produktbegleitende Service-Innovationen oder den
F&E-Bereich in High-Tech-Branchen interessiert, wird hierzu kaum etwas
finden. Der Wandel vom Produzenten zum Systemhersteller wird in einem dürren
Satz reflektiert. Ebenso wenig werden Gründer fündig, die sich etwa über
Fragen der Patentverwertung oder des Wissensschutzes informieren wollen.
Fragen der Patentierung werden gar nicht, die Notwendigkeit von
Patentanalysen wird in zwei Sätzen angesprochen, Probleme der
Innovationskultur und des Wissensmanagements werden auf je 1,5 Seiten
abgehandelt. Die sattsam bekannte Wissenstreppe wird ohne Quellenangabe
zitiert, wie auch die Quellenangaben zu vielen Folien und die empirischen
Beispiele generell dürftig sind.
Dr. Hans-Jürgen Weißbach,
FH Frankfurt (Okt. 2002)
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Haun, Matthias:
Handbuch Wissensmanagement. Grundlagen und Umsetzung, Systeme und
Praxisbeispiele, Berlin/Heidelberg/New York 2002 (Springer), 429 Seiten.
ISBN 3-540-67583-3.
Matthias
Hauns „Handbuch Wissensmanagement“ - schon der Titel darf als untrügliches
Indiz dafür gelten, dass sich das Thema „Wissensmanagement“ von einem
Trendbegriff mittlerweile zur „handbuchtauglichen“ Disziplin gemausert
hat – informiert mit geradezu enzyklopädischen Duktus über sämtliche
wissensrelevanten Disziplinen und Teildisziplinen. In den Mittelpunkt
seiner terminologisch systemtheoretisch orientierten Untersuchung stellt
Haun die These von der lernenden Organisation als „wissensbasiertes
System“, das es „durch intelligente rechnerbasierte Technologien in
funktionaler Hinsicht auszugestalten“ gelte (S. 2), und zwar mit dem
Ziel der Steigerung des „organisationalen Intelligenzquotienten“. Haun
versteht seinen eigenen Beitrag als Baustein zu einer „Modellierung
einer wissensbasierten Organisation der Zukunft“.
In
dem enzyklopädischen Anspruch – Haun unternimmt den Versuch die
unterschiedlichsten Disziplinen von der Kognitionspsychologie über
Organisationstheorie bis zur Fuzzy Logic in sein Konzept von
Wissensmanagement zu integrieren - liegt zugleich das Problem: In der Tat
vermittelt Haun Handbuchwissen – Wissen, das aber in der Regel
dekontextualisiert - also seinem betrieblichen Problemkontext entzogen -
ist. Und so gerät auch die Darstellung von Methoden und Instrumenten des
Wissensmanagements (s. Kapitel 8: Anwendungsszenarien) - „gelbe
Seiten“, Wissenslandkarten, Benchmarking - über weite Strecken zu einem
etwas umfangreicheren Glossar. Diesen Eindruck des
Assoziativ-Kompilatorischen gewinnt der Leser auch bei einem ersten Blick
auf das Inhaltsverzeichnis, das bereits von einem weniger problem-,
sondern begriffs- bzw. disziplinenorientierten Zugang zeugt. Das
didaktisch motivierte Layout - speziell ausgewiesene Merksätze, durch
kleine Handgranaten markierte Risikowarnungen sowie die graphische
abgesetzten Leitfragen zu den WM-Instrumenten – erleichtern zwar die
kursorische Lektüre, der Hang zur apodiktischen Formulierung einerseits,
zur sprachlichen Redundanz andererseits Stelle lässt jedoch in vielen Fällen
die nötige Konkretion vermissen.
Sicherlich
geht Haun nicht fehl in der Annahme, dass sich das Thema „Wissensmanagment“
im Schnittfeld dieser Vielzahl von Ansätzen reformulieren lässt, das
Versprechen diese unterschiedlichen Ansätze zu integrieren, ja zu einer
„Symbiose“ (389) zu führen, bleibt er jedoch schuldig. Die Vernetzung
der unterschiedlichen Perspektiven wird mehr beschworen denn an konkreten
Beispielen demonstriert. Und so zeugt das Unternehmen zwar von der
Belesenheit des Autors, der Leser der Kategorie „betrieblicher
Praktiker“ mag jedoch in der Fülle der Zugänge den konkreten
Problemfall vermissen.
Vor
allem bleiben die im Untertitel angekündigten Praxisbeispiele hinter den
Erwartungen zurück, die eine gleich zu Beginn präzis beschriebene gängige
Unternehmenspraxis der „Selbsthinrichtung“ in Sachen Wissensmanagement
beim Leser zu wecken vermag: Die versprochenen umsetzungsorientierten
Unternehmensbeispiele geraten statt dessen nicht selten zur
illustrierenden Anekdote.
Letztlich
vermeidet Haun durch seinen überwiegend beschreibend-deskriptiven Zugriff
die Profilierung einer eigenständigen, theoretisch begründetet Position
jenseits der handbuchmäßigen Abhandlung theoretischer Konzepte und
praktischer Rezepte. Es fehlt ein eigenständiger Zugriff, der im
Dschungel der Disziplinen einen Orientierungsmaßstab vermittelt. Eine
kritische Auseinandersetzung mit Instrumenten, den widersprüchlichen
Effekten ihres Einsatzes samt der Veränderung von Anforderungsprofilen
der unterschiedlichen betrieblichen Funktionsgruppen wird der Leser in
Hauns in theoretischer Hinsicht eher additiven, in praktischer Hinsicht
eher normativen Studie vergeblich suchen. Sie vermittelt statt dessen
einen eher mechanistischen Eindruck von der Umsetzung wissensorientierter
Maßnahmen, die der Komplexität der Prozesse nicht gerecht zu werden
vermag.
In
zeitgemäßem systemtheoretisch Sprachduktus und unter Rückgriff auf
subjektivistische Metaphern wie der von der „organisationalen
Intelligenz“ avanciert die „Organisation“ zum handelnden Subjekt und
zum Träger von Wissensprozessen – aber gerade diesen qualitativen
Sprung vom individuellen zum Organisationswissen überdeckt Haun statt zu
zeigen, wie er zu gestalten sei. So bleibt Haun die Lösung, wie denn die
Vermittlung von individuellem zu kollektiven, von impliziten zu expliziten
zu organisieren sei, schuldig: “In
hitzigen Diskussionen lernten japanische Ingenieure, ihre Erfahrungen
(implizites Wissen) explizit zu machen (Externalisierung) und das Gelernte
zu internalisieren.“
Haun
konstruiert sein Handbuch von einer Vielzahl theoretischer Disziplinen
her, nicht vom konkreten Bedarf der Unternehmen. So bleibt der Absatz oft
formelhaft-abstrakt und letztlich an vielen Stelle zu oberflächlich und
unanschaulich: „Die Dynamik im Transformationsprozess
kann durch eine Mischung aus Redundanz, Fluktuation und daraus folgenden
kreativen Chaos gesteigert werden. Redundanz schafft Gestaltungs- und
Entfaltungsspielraum. Fluktuation schafft Handlungsbedarf und führt zu
kreativem Chaos.“ (S. 390).
Manch
kurioser Tippfehler - „Autopiese“ statt „Autopoiese“ (S. 33) -
lockert die trockene Kost unfreiwillig auf.
Dass
auch die Zielgruppe dieses Handbuches diffus bleibt, scheint angesichts
des universalen Anspruchs des Konzepts der „organisationalen
Intelligenz“ fast programmatisch. Eine stärkere Ausrichtung an einer
konkreten Zielgruppe hätte dem Buch wahrscheinlich gut getan.
Dr.
Andrea Poy, Sept. 2002
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Chong-Moon
Lee, William F. Miller, Marguerite Gong Hancock, Henry S. Rowen (eds.):
The Silicon Valley Edge. A Habitat for Innovation and Entrepreneurship.
Stanford University Press. Stanford, Cal., 2000.
Dieser Band vereint 19 Beiträge von
Praktikern (v.a. aus VC-Firmen) und Wissenschaftlern (v.a. Soziologen aus
Stanford), die danach fragen, welche Merkmale der Silicon Valley-Region über
mehrere Jahrzehnte hinweg förderlich für das Gründungsgeschehen waren
und welche Faktoren der Region - trotz hohen Wettbewerbsdrucks, steigender
Grundstückskosten und Löhne – ihr immer noch Vorsprünge im Gründungsgeschehen
sichern (siehe Yahoo!, eBay, Excite@Home).
Es ist nunmehr bereits 63 Jahre her, dass zwei Absolventen von Stanford in
Palo Alto eine Firma für Messgeräte gründeten, aus der sich später HP
entwickelte.
Nur zwei Zahlen in diesem Zusammenhang:
1999 zog die Region 13 Mrd. US $ an VC-Kapital an (1/3 des
US-Gesamtaufkommens), und die Pro-Kopf-Wertschöpfung lag mehr als 45 % über
dem US-Durchschnitt.
Der gemeinsame Nenner der Beiträge des
Sammelbandes, die das Thema allseitig beleuchten, aber auch einige
Redundanzen enthalten, ist in etwa folgender: Nicht einzelne Gründer oder
einzelne technische Innovationen sind für den nachhaltigen Aufschwung des
Valleys entscheidend, auch nicht nur die hochkreative Hochschullandschaft,
die Maßstäbe in der Forschung setzt, sondern ein komplexes Milieu, ein
„Habitat“, das mit der Entwicklung der Unternehmen koeolutioniert und
ihnen heute dauerhafte Vorsprünge verschafft. Dieser Vorsprung
(„Edge“) basiert nicht vorrangig auf technischen Innovationen:
Zwar wurden integrierte Schaltkreise (Fairchild) und
Mikroprozessoren (Intel) ebenso wie relationale Datenbanken, grafische
Benutzeroberflächen und RISC-Prozessoren hier erfunden, aber z.B. nicht
der Transistor, nicht die paketweise Datenübertragung, das Web oder die
Browsertechnologie. Entscheidend für den Erfolg war vielmehr die immer
wieder erfolgreiche Vermarktung von Innovationen durch Start-ups
– nicht so sehr durch „reife“ Firmen.
Das dafür förderliche Habitat (ein
„Portfolio“ /7/ von notwendigen, jedoch keineswegs hinreichenden
Bedingungen) wird in den einzelnen Kapiteln wie folgt beschrieben:
1.
(Nationale) Rahmenbedingungen und Spielregeln, die für Gründer
– auch für gründungswillige Einwanderer - günstiger sind als praktisch in jedem anderen Land der Welt
(Kap. 9)
2.
Hohe Wissenskonzentration und –intensität speziell im Bereich
der Informationstechnik (Kap. 2,5,6,8) – zu untersuchen wäre allerdings
noch, ob die hohe Bedeutung der Beherrschung sprachunabhängiger Symbolik
(mathematische Algorithmen, Programmcodes) und die frühe Verbreitung von
grafischen Benutzeroberflächen und Simulation auf besondere Weise den
multikulturellen Charakter der californischen Hochschullandschaft
reflektiert
3.
Hochqualifizierte mobile Arbeitskräfte und rasche
Wissensverbreitung durch hohe Fluktuation (Kap. 10-12), die in Europa ja
eher als gefährlich für Innovationen angesehen wird
4.
Eine ergebnisorientierte „Meritokratie“ und ein egalitäres
Management: Seniorität, Alter, ethnische Zugehörigkeit zählen nicht:
„In the valley, talent and ability are king“ /8/. Viele Immigranten
waren hier erfolgreich: Andrew Grove aus Ungarn (Intel), Vinod Khosla aus
Indien (Sun), Jerry Yang aus Taiwan (Yahoo!) (Kap. 12)
5.
Ein risikofreudiges, fehlertolerantes Innovationsklima. Viele
Erfolge wurden erst nach wiederholten Rückschlägen erzielt. Hinzu kommt
ein liberales Insolvenzrecht (Kap. 4,19)
6.
Ein offenes Geschäftsklima auf Basis einer win/win-Situation: Der
Grad der Geheimhaltung ist gering, viele Infos werden bereitwillig
ausgetauscht. Die Inhaber von Geheimnissen können sogar gewinnen, wenn sie sie lautstark propagieren. Offene
Standards erlauben es den Entwicklern, ihre Produkte anderen als
Plattformen anzubieten (Kap. 2)
7.
Eine dichte Interaktion der Start-ups mit Universitäten und öffentlichen
Forschungseinrichtungen sowie eine Finanzierung der Forschung gerade durch
junge Unternehmen (Kap. 10, 11) – an anderen Orten (z.B. Pennsylvania,
Cambridge) gibt es durchaus ähnliche Forschungseinrichtungen, die
allerdings nicht zu vergleichbaren Clustern geführt haben
8.
Enge Kooperation zwischen Unternehmen, Verwaltung und öffentlichem
Sektor. So wurde die Schwäche im Gründungsgeschehen der späten 80er
Jahre durch öffentliche Investitionen ins Bildungssystem, Erleichterung
von Telearbeit und Infastrukturverbesserungen überwunden (Kap. 3)
9.
Eine hohe Lebensqualität, die allerdings durch Verkehrschaos in
der Bay und durch unbezahlbare Häuserpreise bedroht ist (Kap. 3)
10.
Last but not least: hervorragende unternehmensbezogene
Dienstleistungen (eine eigene VC-Industrie, Anwälte, Headhunter,
spezialisierte Steuerberater usw.), die dem besonderen, schwer zu
bewertenden Risikoprofil (gekennzeichnet durch geringe Profite, intangible
assets, stock options usw.) von High-Tech-Gründern Rechnung tragen (Kap.
7,13-16,19)
Die räumliche Konzentration dieser
Faktoren auf einigen hundert square miles hat darüber hinaus zwei
Vorteile:
-
„Speed“ und geringe Transaktionskosten. Geld, Mitarbeiter,
Expertise können sehr rasch beschafft, Anwälte z.B. kurzfristig in
Verhandlungen eingeschaltet werden. Dies ist insbesondere für IT-Firmen
wichtig, die für ihr Wachstum auf Netzwerkeffekte angewiesen sind.
-
Erfolgreiche Imitation von Innovationen in der
Praktikergemeinschaft. Die Wissensverbreitung aus den Hochschulen
vollzieht sich primär über Neugründungen. Spezialisten können ihr
Wissen direkt nach dem Hochschulabschluss rasch und unbürokratisch
umsetzen. Konkurrenz und Vertrauen sind subtil ausbalanciert, was den
intensiven Austausch erleichtert.
Nicht auszuschließen ist, dass unter
Bedingungen von Globalisierung sowohl die technisch-qualifikatorischen
Spillovers als auch die weichen Faktoren in der Region noch an Bedeutung für
den Erhalt der Konkurrenzfähigkeit gewinnen. So waren Design und
Produktion von Festplatten vor 20 Jahren weltweit breit gestreut, während
sich der Entwurf seit Ende der 90er Jahre auf das Valley und die
Produktion auf Südostasien konzentrieren.
Die in dem Band formulierten Einsichten –
mitsamt der Betonung der „weichen“ soziokulturellen Faktoren - sind
freilich so neu nicht und auch nicht weit entfernt
von Alfred Marshalls Theorie der „industrial districts“ (Principles
of Economics, London 1890). So gehen die Wurzeln des Valley wohl schon auf
die Funktechnik vor dem 1. Weltkrieg zurück (Kap. 2), wie auch Marshall
die Wurzeln der englischen Stahlindustrie in South Lancashire auf die
Normanneneroberung im 11. Jahrhundert zurückführt !
Dr. Hans-Jürgen Weißbach, April 2002
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Marhild von
Behr, Klaus
Semlinger: Transfer und Steuerung von Wissen. Zur Internationalisierung
kleiner und mittlerer Unternehmen. ISF München. Forschungsberichte, 2001.
ISSN 1615-3340.
Vorab:
Der Titel ist leicht irreführend. Im Fokus zumindest des ersten Beitrags
steht nicht das Wissensmanagement-Thema, sondern die Problematik von
Zuliefernetzen. KMU versuchen heute, sich in internationale
Produktionskreisläufe zu integrieren, wobei Risiken in Form der Preisgabe
eigenen Wissens und Chancen durch Zugang zu neuem Wissen entstehen. Diese
Problematik wird in zwei sehr ungleichgewichtigen Beiträgen behandelt.
Von Behr zeigt die Impulse der Internationalisierung auf. Risiken von
Know-How-Verlusten und Chancen des Know-How-Erwerbs werden nur kurz
angerissen (43-47). Auf die komplizierten rechtlichen Probleme etwa der
Lizenzproduktion wird überhaupt nicht eingegangen. Die Kernthese lautet:
Da die Produktion an verteilten Standorten stattfindet, werden
normalerweise „wettbewerbsrelevante Erkenntnisse und Erfahrungen weder
ausgetauscht noch verbreitet“. Unternehmensstrategien zur Überwindung
der Knowledge Gaps zwischen den Standorten werden jedoch nur äußerst
grob kategorisiert (personale / DV-gestützte Strategien).
Der
theoretisch anspruchsvollere und dennoch praxisrelevantere Beitrag von
Semlinger thematisiert die Chancen von Unternehmen, sich externes Wissen
einzuverleiben und arbeitet ein Grundproblem heraus: Spezialisierung erhöht
cum grano salis die Produktivität der Wissensträger, aber reduziert die
Chancen des Unternehmens, dieses Wissen einzuschätzen und zu
kontrollieren. Hierdurch entsteht mit zunehmender Wissensdifferenzierung
eine strukturelle Asymmetrie. Doch damit sinken auch die Chancen des
Wissens, breit genutzt zu werden. Schon Hayek hat darauf aufmerksam
gemacht, dass individuelle Wissensvorsprünge von ihren Trägern möglicherweise
nicht mehr produktiv umgesetzt werden können. Für Hayek stellte die
Koordination der Wissensträger über den Markt allerdings noch die
unbestritten beste Lösung dar. Semlinger weist darauf hin, dass mit
zunehmender Spezialisierung der Wissensträger deren Engagement und
Loyalität durch den Nutzer gezielt gefördert werden müssen, was allein
mittels marktförmiger Mechanismen sehr teuer ist (87). Das haben ja auch
die Gehälter in der Boomzeit des Neuen Marktes gezeigt. Hierarchische
Koordination hingegen ist unflexibel und behindert rasche Anpassung. Die Lösung
könnte ein auf Loyalität basierender kooperativer Koodinationsmodus
darstellen, wobei Loyalität eine schwächere Voraussetzung ist als das
oft geforderte generalisierte Vertrauen, das man in bekanntlich zum
opportunistischen Verhalten neigende Spezialisten keinesfalls immer setzen
sollte. Loyalität – so Semlinger – ist anders als Vertrauen selbst
eher schon ein Ergebnis von Kooperation als deren Voraussetzung.
Allerdings
wird an dieser Stelle nicht weiter über die Folgen der steigenden
Fremdwissensabhängigkeit von KMU reflektiert. Während die Unternehmen
versuchen, eine steigende Zahl von Spezialisten in systemische Zusammenhänge
einzubeziehen, versuchen diese sich der Systembildung immer wieder zu
entziehen. Das zeigen u.a. die sich nicht nur in den USA verschärfenden
Probleme der Haftungsübernahme durch externe Dienstleister und Berater.
Ohne Nutzung des Mediums „Recht“ ist die Bearbeitung der Probleme der
Fremdwissensabhängigkeit also kaum denkbar, was gerade im Hinblick auf
KMU zu reflektieren wäre (z.B. Schwierigkeiten der Durchsetzung des
Patenschutzes im Ausland usw.).
Stattdessen
gilt ein längerer Abschnitt dem Akteursverhalten unter Bedingungen „kompetitiver
Kooperation“. Damit entfernt sich die Literaturstudie ein Stück weit
von konkreten Fragen des Wissensmanagements und rekurriert auf vom ISF
seit längerem erforschte Probleme von Zuliefernetzen. Wichtig erscheint
der abschließende Hinweis auf kultursoziologische und
sozialpsychologische Arbeiten (z.B. Hofstede) zur Erklärung
interkultureller Differenzen im Umgang mit Wissen. Fusionen und
Unternehmensakquisitionen müssen auch von Menschen nachvollzogen werden,
die bestimmte kognitive Stile ihrer neuen Vorgesetzten (z.B. Umgang mit
Unsicherheit) mehr oder weniger akzeptieren, nicht nur zwischen
Unternehmen. Die starke Betonung des Faktors „Vertrauen“ in der
deutschen Industriesoziologie und deren Äußerungen zum Thema
Wissensmanagement sind vielleicht als Indikator für die Schwierigkeiten
deutscher Unternehmen und Forscher im Umgang mit Unsicherheit und Ambiguität
zu werten.
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M.M. Fischer / J. Fröhlich
(eds.): Knowledge
Complexity and Innovative Systems. Springer-Verlag
Berlin usw. 2001. ISBN 3-540-41969-1, 477 Seiten.
Der Band aus der Reihe "Advances in
Spatial Science" versammelt Ansätze zur Beschreibung der Entstehung
von Innovationen durch komplexe lokale Interaktionsprozesse
institutioneller Akteure. Die Beiträge gingen aus einem Workshop des österreichischen
Verkehrs- und Technikministeriums hervor. In der Einleitung der Hrsg.
werden die Schwierigkeiten der Definition von Wissen institutioneller
Akteure deutlich gemacht: Sind Markenzeichen und Copyrights schon
Wissen? Stellen die Informationen in Datenbanken Wissen dar? Oder sind sie
nur Rohmaterial zur Kreation von Wissen? Die Autoren setzen sich von einer
objektorientierten Betrachtung von Wissen ab und plädieren für eine
prozessorientierte Sichtweise.
Teil A des Readers enthält Beiträge und
Untersuchungen zu lokalen Innovationssystemen. Saviotti zeigt, dass
Innovationen durch neoklassische Theorie nicht zu erklären sind, auch
wenn er in seinem Beitrag keine andere kohärente Theorie als Alternative
entwickeln kann.
Edquist verdeutlicht, dass Akteure in Innovationsprozessen nicht als
isolierte Einheiten zu verstehen sind. Interventionen müssen in die
Beziehungen zwischen diesen Akteuren eingreifen, um z.B.
Lock-in-Situationen zu vermeiden.
Archibugi untersucht den Einfluss der Globalisierung auf europäische
Innovationssysteme anhand der globalen Patentströme mit dem Ziel, eine
Klassifikation internationaler Kooperationsmodelle zu entwickeln.
Festzuhalten ist, dass offenbar "single-proprietor innovations"
doch noch eine größere Bedeutung behalten als dies Netzwerkansätze oft
vermuten lassen. Nationale oder regionale Innovationssysteme, so die
These, werden ihre Bedeutung nicht verlieren.
In Teil B werden Mechanismen der lokalen
und territorialen Verankerung und Produktion des nicht-kodifizierten
(impliziten) Wissens aufgezeigt. Karlsson / Monduchi weisen auf
Forschungsdefizite hinsichtlich der räumlichen Begrenztheit von
Spillovers hin und untersuchen, wie das Spillover durch
Infrastrukturinvestitionen gefördert werden kann.
Fischer u.a. zeigen mit Hilfe eines Tests für räumliche Autokorrelation
auf, welche Bedeutung räumliche Nähe für die Erzeugung technologischen
Wissens in Österreich haben könnte.
Dcheverri-Carroll versucht mit Hilfe des Instrumentariums moderner
Wirtschaftsgeografie zu zeigen, dass die Ansiedlung von
High-Tech-Industrien in Agglormerationen von anderen Ursachen bzw.
Standortfaktoren geprägt ist als die von "normalen"
Unternehmen. Dieser Teil B des Buchs ist sicherlich mit Vorsicht zu genießen,
worauf die Herausgeber selbst hinweisen (S. 10), da die untersuchten
Aggregate sehr groß und inhomogen sind und Variablen häufig zu schlicht
dichotomisiert wurden. Die mathematischen Modelle können die Externalitäten
von Industrieansiedlung offensichtlich nicht adäquat erfassen.
Ausgangspunkt von Teil C des Bandes ist die
Erfahrung, dass Technologieregionen in den USA und anderswo in puncto
relativer Vortrefflichkeit ("excellence") in immer schnellerem
Wechsel auf- und absteigen. Suarez-Villa analysiert den Aufstieg des
Sunbelts und bietet als Erklärungsfaktoren die demografische Umverteilung
hochqualifizierter Wissensträger, die Verteilung des Venture Capitals und
die regional unterschiedlichen Investitionen in Bildung und Wissenschaft
an. aber sind das nicht schon wieder Folgen des Aufstiegs des Sunbelts?
Ist es nicht eher die Nichtexistenz altindustrieller Strukturen, die dem
Sunbelt zum Durchbruch verhalf?
Capello verfolgt einen Milieuansatz der Innovation, quasi eine regionale
Variante von Granovetters Kategorie der "Embeddedness", und
beschreibt damit innovative Milieus und Kapazitäten in Amsterdam, London,
Mailand, Paris, Stuttgart. Acs sieht die Hauptaufgabe von Entrepreneurs
darin, existierendes Wissen zu entdecken und in Produkte zu verwandeln.
Alderman untersucht die zur Abwicklung komplexer Engineering-Projekte
aufgebauten Netzwerke anhand von Fallstudien und zeigt, dass die Wertschöpfung
oft von sehr speziellem Wissen abhängt, das bei den lokalen Partnern gar
nicht vorhanden ist. Gleichzeitig verlieren die Systemintegratoren ihr
Know-how, wenn sie selbst lokal nichts mehr produzieren, sondern nur noch
Komponenten integrieren. Dieser Beitrag spricht also eher für eine Schwächung
lokaler Innovationssysteme und ihre steigende Fremdwissensabhängigkeit.
In Teil D wird versucht, komplexe Abhängigkeiten
und Eigenschaften von Innovationssystemen (Pfadabhängigkeit,
Multistabilität, Lebensdauer von Informationen, begrenzte Rationalität
von Entscheidungen) mathematisch und entscheidungstheoretisch zu
formulieren. Hier wird es nun spezialistisch. Den Realitätsgehalt und
Nutzen der Simulationen kann der Rezensent nicht mehr seriös einschätzen.
Die zugrunde liegenden Typologien - das fällt auf - sind oft dichotomisch,
ihr heuristischer Wert erscheint begrenzt. - Batten schlägt vor,
koevolutionäres Innovationsgeschehen durch intelligente Agenten zu
simulieren (ein Beitrag zur "Artificial Economy", S. 311),
indem künstliche Investoren mit verschiedenen Präferenzen und
Erwartungen aufeinander treffen, die sich dann nach bestimmten Regeln
abgleichen.
In Teil E finden sich Aufsätze zu
den politischen Implikationen des Themas. Dendrinos weist auf die Rolle städtischer
und regionaler Entwicklungsoptionen hin, die quasi auf einem Optionsmarkt
gehandelt werden. Dieser Markt - so Dendrinos - sollte künftig stärker
formalisiert werden. Zu untersuchen wäre, wie die Optionspreise zustande
kommen und wie Mängel des Marktes korrigiert werden können.
Nijkamp u.a. versuchen mit etwas kruden Mitteln zu zeigen, dass
Regierungshandeln einen positiven Einfluss auf Regionalentwicklung haben
kann (offenbar keine Selbstverständlichkeit!).
Engel und Fier demonstrieren, dass in den neuen Bundesländern die Nähe
von Hochschulen entscheidend für High-Tech-Gründungen ist.
Interessanter sind freilich die nicht nachweisbaren Zusammenhänge. Der
regionale Besatz mit High-Tech-Gründungen ist unbeeinfusst von
-
Besatz mit alten Industrien
-
Existenz großer Unternehmen
in der Nähe
-
Anteil der F&E-Beschäftigten
der regionalen Industrie (!)
-
Nähe von
Fraunhofer-Gesellschaften
-
Nähe zu einer
Autobahnauffahrt (412 ff.)
Hochschulen haben also einen größeren
Einfluss auf das High-Tech-Gründungsgeschehen als alle anderen öffentlich
finanzierten Einrichtungen und sind der entscheidende Impulsgeber und
Inkubator.
Ein überwiegend lesenswertes Buch, das
eine Vielzahl anregender methodischer Ansätze verversammelt.
H.-J. Weißbach, Dez. 2001
zurück
Heimer,
Thomas/Peter Roßbach (Hg.): Management der Ressource Wissen in
Banken. Bankakademie Verlag Frankfurt a.M. 2001 (316 S.)
Dieses Buch liefert in mehreren Beiträgen
(auf ca. 1/3 der Seiten) zunächst eine allgemeine, stark geraffte,
weitgehend branchenunspezifische Einführung in Grundlagen und aktuelle
Probleme des Wissensmanagements aus soziologischer Perspektive. Dabei wird
deutlich, dass Wissensmanagement nicht als originär technische
Herangehensweise verstanden werden kann, sondern als eine systematische
Strategie der Bewirtschaftung und Steuerung des Faktors Wissen, der jedoch
in extrem diverse Enstehungskontexte (Biografie, Erfahrungswissen)
eingebunden ist. Die Entwicklung einer organisatorischen Wissensbasis in
Wechselwirkung mit dem Wissen der einzelnen Organisationsmitglieder ist
das Ziel jeder betrieblichen Strategie. Über deren Funktionsbedingungen
einer solchen wissensbasierten Organisation und die Möglichkeit einer
zukunftsorientierten Beurteilung oder gar Messung ihrer Kernkompetenzen
ist allerdings - im Unterschied zum Wissen über das erfahrungs- und
wissensbasierte Arbeiten einzelner Arbeitnehmer - immer noch wenig
bekannt. Eine solche – nicht nur vergangenheitsbasierte - Beurteilung
von Wissen und Kernkompetenzen erscheint jedoch notwendiger als je zuvor,
gerade im Bereich von Finanzdienstleistungen, wo die Erfolge von gestern möglicherweise
heute schon nicht mehr relevant sind.
Gezeigt wird, dass die Entstehung
hochkomplexen Wissens über neue Finanzprodukte stets auch Nichtwissen und
Risiken auf der anderen Seite zur Folge haben. Die Anforderungen an das
Wissens- und Risikomanagement der Banken steigen permanent, wobei eine
„intelligente“ Risikosteuerung weitgehend aussteht. Strategien, die
ansetzen, um die Komplexität des Bankgeschäfts zu reduzieren, erzeugen
jedoch neue Risikokaskaden.
Wie nun die Riskanz des Umgangs mit
derivativen Produkten durch wissensbasierte Strategien zu bewältigen ist,
dafür gibt es auch in diesem Buch nur erste, sehr allgemeine
systmtheoretische Überlegungen (siehe den Beitrag von Strulik, der die
Institutionalisierung von Risikodialogen, dezentrale Steuerung,
Divisionalisierung und Erweiterung von Selbststeuerungskapazitäten
anspricht). Aber waren es nicht junge Broker, die – „von der Leine
gelassen“, in halbautonomen Unternehmensbereichen ohne Kontrolle
arbeitend - in Überschätzung ihrer eigenen Erfahrung bzw. ihrer
Wissensbestände die Übertreibungen der New Economy erst hervor gebracht
oder zumindest mitgemacht haben? Kann die Reaktivität der Finanzmärkte
überhaupt durch einen organisationsspezifischen Ansatz beherrschbar
gemacht werden? Wie steht es um das Insiderwissen? Die systemtheoretische
Antwort auf die Erfahrungen und Fragen der letzten Jahre ist noch sehr dünn
und allgemein.
Eher konventionell sind Versuche von North,
den Wissenszuwachs bei Finanzdienstleistern und die Kosten von
Wissensmanagementstrategien zu bilanzieren. Als praxistauglich und robust
erweist sich derzeit vor allem das bekannte Probstsche
Wissensakquisitionsmodell, das sich z.B. als Leitfaden bei der
Neukundenakquise bewähren könnte (siehe den Beitrag von Kopp).
Die folgenden Aufsätze zum IT-gestützten
Wissensmanagement zeigen trotz aller Disparatheit der Beispiele eine
gewisse Konvergenz hinsichtlich des Einsatzes von Tools wie customisiertes
Intranet, agentenbasierten Finanzportalen oder Kundendatenbanken an.
Allerdings tut sich zwischen diesen sehr konkreten Skizzen möglicher
IT-Architekturen und den das Buch beschließenden Artikeln über die
Implementation solcher Systeme und die Umsetzung von
Wissensmanagementstrategie (z.B. Wengelowski über Konstituierung einer
lernenden Organisation) noch eine weite Kluft auf. Interessant sind die in
den Artikeln nicht weiter kommentierten Hinweise auf erste
Betriebsvereinbarungen, die androhen, dass Mitarbeiter bei Zurückhaltung
ihres Wissens mit Sanktionen bis hin zu Kündigung zu rechnen haben.
H.-J. Weißbach, Okt. 2001
zurück
B. Geldermann
u.a.: Unternehmensnetzwerke durch neues Lernen. Die Textilbranche in der
Lernenden Region sächsisches Vogtland und Oberfranken. Berufliche
Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz). Wirtschaft und
Weiterbildung Bd. 20, Bielefeld (Bertelsmann) 2000, ISBN 3-7639-0150-7.
Das Konzept der Lernenden Region ist analog
zur Lernenden Organisation entstanden: Ausgehend von der zunehmenden
Skepsis gegenüber Prognosen und zentralen Planungen, gegenüber den
traditionellen Instrumenten der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung
und herkömmlichen Qualifizierungs- und Arbeitsmarktmaßnahmen schreibt
man heute der selbstorganisierten Zusammenarbeit auf lokaler Ebene eine
eher innovative Funktion zu.
Der Band berichtet in mehreren Beiträgen
über das Zusammenwirken von regionaler Wirtschafts- und
Strukturentwicklung in den Regionen Vogtland und Oberfranken im Rahmen von
ADAPT-Projekten, wobei auch Formen des Online-Lernens evaluiert werden.
Das Projekt zeigt, dass es mit Lösungen im
Stil von Yellow Pages zur Erhöhung der Transparenz der regionalen
Bildungsangebote nicht mehr getan ist. Allgemein relevant ist die
Erkenntnis, dass virtuelle regionale Netzwerke den Trend zur
Desintermediation der Weiterbildung möglicherweise verstärken werden.
Kammern und Verbände können im Verhältnis zu den Direktanbietern so möglicherweise
an Einfluss verlieren. Verallgemeinerungsfähig ist auch die Erkenntnis,
dass virtuelle Netzwerke sich nicht auf die institutionelle Repräsentation
der Bildungsträger beschränken dürfen, sondern dass sie sich
themenbezogen organisieren sollten. Konsens über Inhalte sollte dem
Konsens über die beteiligten Institutionen vorangehen, sonst kommt es zu
frühzeitigen Verkrustungen und Festschreibungen von existierenden
Angeboten. Ins Netz aufgenommen werden sollten nur Angebote, die den
Themen zuzuordnen sind; ggf. müssen sie daraufhin entwickelt und
evaluiert werden. Für jedes Thema sollten mehrere Träger schwerpunktmäßig
verantwortlich sein und in Kooperation treten. Starten sollte ein solch
virtuelles Netz nicht mit zu vielen Themen und Institutionen gleichzeitig.
H.-J. Weißbach (2001)
zurück
Heiko Roehl,
Instrumente der Wissensorganisation. Perspektiven für eine
differenzierende Interventionspraxis, Wiesbaden 2000 (Deutscher Universitäts-Verlag),
410 Seiten
Die Studie von Heiko Roehl
bietet angesichts der zahlreichen und oft nur am kurzfristigen
Beratungsinteresse orientierten Publikationen eine erfreulich präzise und
theoretisch fundierte Darstellung der bisherigen Ansätze und Instrumente
zum Bereich „Wissensorganisation“. Von der Flut von Literatur, die
sich oft nur auf eine Kompilation vermeintlicher best practice-Beispiele
beschränkt, hebt sich Roehls Unternehmen durch seinen systematischen
Zugriff positiv ab, der allen – auch explizit selbst formulierten -
Anforderungen an Konsistenz, Kohärenz und Differenziertheit (S. 8) genügt:
.Roehls detaillierte Klassifikation, in der die unterschiedlichen -
insgesamt 43 - Instrumente der Wissensorganisation nach
„Funktionsgruppen“, je nach ihren personen-, problemlösungs-,
arbeits-, kommunikationsbezogenen bzw. technologischen und räumlich-organisatorischen
Ansatzpunkten differenziert werden, liefert einen auf hohem begrifflichen
Niveau formulierten State of the art. Der Leser gewinnt so eine nahezu
vollständige Übersicht - von „Klassikern“ wie Job rotation bis zu
Kreativitätstechniken wie „Metaphern“ und Wissenskarten. Diese
synoptische Leistung, die durch das einheitliche Raster ein hohes Maß an
Vergleichbarkeit erlaubt, hätte allein schon manch interessierten Leser
glücklich machen können. Die eigentliche Stärke von Roehls Arbeit liegt
jedoch darüber hinaus in der kritischen Reflexion, der er diese
Instrumente anhand von präzis ausgewählten Kriterien (Äquivalenz,
Synchronisation usw., S. 299ff.) unterzieht, und die nicht zuletzt
betriebliche Praktiker zu einer fundierten Entscheidung über Funktionalität
und Einsatzmöglichkeiten befähigen soll. Roehl gelingt der Spagat
zwischen theoretischer Ambition und betrieblicher Gestaltungsorientierung
nicht zuletzt deshalb, weil sein theoretischer Anspruch dem praktischen
Interesse nicht vorgängig ist, sondern sich gerade aus der Notwendigkeit
eines gestaltenden Eingriff in die Organisation ableitet und damit Theorie
explizit in den Dienst der „Bewältigung praktisch relevanter
Problemstellungen“ stellt. So stehen im Zentrum seiner Studie vor allem
die folgenden Fragen:
„Unter welchen Umständen
ist ein gestaltender Umgang mit Wissen möglich? Was bedeutet dies für
die Instrumente zur Organisation von Wissen? Existieren Umstände, die für
alle Instrumente gelten?“
Roehls
Projekt ist also theoretisch ambitioniert, ohne dabei den Blick für
betriebliche Umsetzungsinteressen zu verlieren. Hier liegt sein Anspruch
nicht zuletzt in der Hoffnung, die diagnostische Kompetenz betrieblicher
Entscheidungsträger in der Einschätzung möglicher Wirkungsbereiche und
Interventionserfolge von „Wissensinstrumenten“ zu erhöhen. Dieser
Wunsch mag so fromm nicht sein – es sein denn, die Zielgruppe ließe
sich durch den systemtheoretischen Duktus seiner Untersuchung abschrecken.
Kohärenz und Differenziertheit des Ansatzes könnten hier zur Falle
geraten. So erschließt sich die Begrifflichkeit dem unbefangenen Leser
nicht auf den ersten Blick, z.B. wenn das Kriterium der „sensoriellen
Integrativität“ in der folgenden Frage expliziert wird: Gelingt dem
Instrument eine entsprechend der Interventionsabsicht balancierte Auswahl
und Integration sensorieller Modalitäten? Dies dürfte für den Praktiker
übersetzungsbedürftig sein. Dieser Eindruck einer gewissen Überstrukturierung
spiegelt sich auch in dem differenzierten Inhaltsverzeichnis, das den
Anspruch auf Anschaulichkeit und Konkretion, die der Text zweifelsohne über
weite Strecken einzulösen vermag, vermissen lässt.
Wenn
Unternehmen ihre Strategiefähigkeit bewahren wollen, ist es wichtig, dass
sie den Einsatz der wissensbezogenen Instrumente reflektieren und
evaluieren. Hierzu bietet Roehl ein durchdachtes Kriteriensystem, das
sowohl einen hohen heuristischen Wert hat, wie auch konkrete
Entscheidungshilfen. Das Buch sollte daher für den
Organisationstheoretiker wie auch für den betrieblichen Praktiker von
hohem Interesse sein. Es stellt einen seltenen Glücksfall im Schnittfeld
von Organisationstheorie und Beratungs- und Gestaltungskonzepten dar.
Auch
angesichts des hohen theoretischen Anspruchs und dem gelegentlich
abschreckenden systemtheoretischen Duktus bewahrt sich Roehls Text doch
insgesamt eine gute Lesbarkeit, die sich einem geschliffenem Stil und
einer präzisen Sprache verdankt. Die geschickt ausgewählten Motti geben
den Kapiteln neue anregende Impulse. Sie lenken die Perspektive über die
engen Grenzen der Organisationstheorie hinaus – oder vielleicht gerade
in ihre Mitte hinein - und gewinnen damit dem Thema nicht selten eine auch
unterhaltsame Note ab.
Dr.
Andrea Poy, Dortmund (2002)
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Klaus North,
Wissensorientierte Unternehmensführung. Wertschöpfung durch Wissen,
Wiesbaden 1999 (Gabler), 290 Seiten
Mit seiner - im Klappentext explizit als
„Lehrbuch“ ausgewiesen - „Wissensorientierte[n] Unternehmensführung“
liefert Klaus North einen gut recherchierten Überblick über den state of
the art zu dem noch jungen Gebiet des Wissensmanagements. In sieben klar
strukturierten Kapiteln schneidet er eine Bresche in das Dickicht der unüberschaubaren
Vielfalt der Konzepte und Instrumente zur Organisation von Wissen. North
teilt die gängige – dadurch aber auch nicht falsche These – vom
Wissen als zentralem Produktionsfaktor und der „Schlüsselressource in
der postindustriellen Ära“ - und füllt Schlagworte wie das von der
Wissensgesellschaft mit Inhalt. Nach einer am Mainstream orientierten
Problemdiagnose, die dem Leser die Brisanz der Situation (Globalisierung,
Strukturwandel, Verkürzung von Produktlebens- und Innovationszyklen usw.)
vor Augen führt, differenziert der Autor die in der Diskussion immer
wieder durcheinander geworfenen Begriffe Daten, Information und Wissen und
trägt so zu Klärungen in der oft diffusen Diskussion um Wissen bei.
Wesentliches Element seiner Untersuchung bildet die mit
umsetzungsorientierten Unternehmensbeispiele flankierte Darstellung der
einschlägigen Konzepte und der unterschiedlichen Organisationsstrukturen
im Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit, den Anforderungen an das
Management von Wissen gerecht zu werden. Besonders instruktiv sind die
Ausführungen zur Veränderung von Anforderungsprofilen der
unterschiedlichen betrieblichen Funktionsgruppen wie Führungskräfte,
fachliche Mitarbeiter, Supportmitarbeiter usw. in wissensorientierten
Unternehmen, was ein technizistisches Missverständnis der Veränderungsprozesse
vermeidet.
Norths Stärke liegt vor allem darin, die
Diskussion vom theoretischen Kopf auf die konkreten Füße gestellt zu
haben. So konzentriert er die Auseinandersetzung um den richtigen Umgang
mit Wissen auf für einen betrieblichen Praktiker zentrale Fragen wie
Ø
Welche strategischen Ziele wollen wir durch die Mobilisierung von Wissen
unterstützen?
Ø
Welches Wissen haben wir heute und welches Wissen benötigen wir in der
Zukunft zur Sicherung unserer nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit?
Ø
Wie gehen wir mit der Ressource Wissen im Unternehmen um, welche Faktoren
fördern Wissensaufbau und –nutzung, welche Barrieren stehen dem
entgegen?
Ø
Wie sollten wir unser Unternehmen gestalten und entwickeln, damit wir
heute und zukünftig dem Wissenswettbewerb gewachsen sind?
und
last but not least: Was ist eigentlich Wissensmanagement? - Alles
was man über Wissen wissen wollte, aber bisher nicht zu fragen wagte.
Im
letzten Kapitel stellt North sein Konzept des Wissensmarkts vor und knüpft
dabei an die im ersten Kapitel gestellten Fragen an, die dem Praktiker bei
der Umsetzung einer betrieblichen Wissensstrategie eine Orientierungs- und
Strukturierungshilfe sein sollen. Dieses Konzept basiert auf dem
Grundgedanken, dass zunächst ein Bewusstsein für den Marktwert von
Wissen geschaffen werden muss, und dass Wissensmanagement in alle Geschäftsprozesse
integriert und an die Unternehmensziele angebunden werden muss. Dies alles
ist so neu nicht. Sollen diese Prinzipien umgesetzt werden bedeutet dies,
dass a) Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, die
Unternehmensleitbilder, Führungsgrundsätze und Anreizsysteme in eine
ganzheitliche Unternehmensstrategie integrieren, dass b) Spielregeln
formuliert werden müssen, die die Austauschbedingungen von Wissen
zwischen Anbietern und Nachfragern von Wissen festlegen und Anreize
schaffen, Wissen bereit zu stellen, und dass c) Prozesse und Strukturen
geschaffen werden, die die Zirkulation usw. von Wissen ermöglichen. Dazu
zählen neben technologischen Iuk-Infrastrukturen Instrumente wie sog.
„gelbe Seiten“, Wissenslandkarten, Benchmarking,
best-practice-Datenbanken usw. Wie Unternehmen diese Voraussetzungen
schaffen, konkretisiert North an zahlreichen Beispielen. So stellt er den
„Weltmarken-Kulturvertrag“ von General Electrics vor, mit dem das
Unternehmen die Mitarbeiter und Führungskräfte auf die Unternehmenswerte
einschwört, und diese auch danach bewertet, wie sie diese Werte
„leben“ (S. 226), anderes Beispiel ist das Prämiensystem „Wissen
teilen bringt Meilen“, das die erfolgte Weitergabe von Wissen innerhalb
des Unternehmens durch eine Verteilung von Bonuspunkte honoriert, die von
den von dem Wissen profitierenden Kollegen vorgenommen wird. Mehr
als fraglich ist allerdings, ob diese Ansätze auch für KMU tauglich
sind.
Bei
der Lektüre hat man außerdem an einigen Stellen den Eindruck, der
vielleicht nicht ausschließlich dem Autor anzulasten ist, dass es sich nämlich
bei vielen dieser Konzepte um Cover-Versionen von Alt-Bekanntem handelt.
Bestimmte Instrumente, die Anfang der 90er im Rahmen der Einführung von
Lean Management diskutiert wurden, scheinen jetzt unter dem Label
Wissensmanagement eine Renaissance zu erfahren.
Weil
die Verfechter der sog. „leanen“ oder schlanken
Organisationsstrukturen zu oft die Risiken der Reorganisationsprozesse
gerade im Hinblick auf die Ressource Wissen (z.B. durch Freisetzung
mittlerer Führungskräfte) ausblenden und auf die Selbstlösungskräfte
von Problemen vertrauen, mag es eine Ironie des Schicksals von
Managementkonzepten sein, dass nun von den dezentralen Strukturen, die zum
Abbau von zentralen Wissensbeständen getragen haben, erwartet wird,
dieses Wissen wieder in die Organisation zurückzuholen bzw. wieder
nutzbar zu machen. Die Übersteuerung der Dezentralisierung soll nun durch
die Re-Integration der dezentralen Einheiten im Rahmen eines
iuk-technologisch gestützten Wissensmanagement kompensiert werden.
Diese
internen Widersprüche von Reorganisationsmaßnahmen im Hinblick auf den
Faktor Wissen blendet North aus und verspielt so die Chance zur
Formulierung einer eigenständigen, theoretisch begründetet Position, die
das Thema WM innerhalb der organisationstheoretischen Diskussion
kontextualisiert und reflektiert. Auch führt sein pragmatischer,
didaktisch motivierter Zugriff - werden doch als Zielgruppe neben
betrieblichen Praktikern und Beratern vor allem Studenten der
Betriebswirtschaftlehre angesprochen – an einigen Stellen zu einem
Verlust an analytischer Schärfe. So erscheint die Zuordnung und
Kategorisierung von Einsichten, Grundsätzen, Rahmenbedingungen, Maßnahmen,
Instrumenten oft beliebig. Diese Unschärfe trägt zu Redundanzen bei, die
man einem Lehrbuch aber durchaus verzeiht.
Allerdings
wünscht man sich an einigen Stellen eine stärkere Problemorientierung,
z.B. im Hinblick auf unbeabsichtigte Nebenfolgen. So geraten die
pointierten Praxis-Beispiele nicht selten zur - durchaus ja nicht
ungewollten – bloßen Illustration des Machbaren, aber dadurch eben auch
oft zu oberflächlich. Dabei teilt der Autor bei aller Beschwörung der
Relevanz der weichen Faktoren (Kultur, Mitarbeiterqualifikation usw.) den
Gestaltungsoptimismus vieler der von ihm präsentierten Unternehmen. Viele
best-practice-Beispiele hinterlassen den Eindruck einer mechanistischen
Umsetzung wissensorientierter Maßnahmen, die der Komplexität der
Prozesse nicht gerecht zu werden vermögen. Probleme und Widerstände
werden nominalistisch oder ex cathedra gelöst bzw. durchbrochen, etwa
durch den Vorschlag der Ernennung eines Wissensmanagement-Coachs.
Viele
Leser wird dies nicht betrüben, deckt North doch durch seine
Zusammenstellung – bei einem hohen Maß an Komplexitätsreduktion - die
wichtigsten Aspekte des Wissensmanagementthema ab und motiviert die Leser
ggf. an anderer Stelle weiterzulesen. Der Verständlichkeit,
Anschaulichkeit und guten Lesbarkeit dienen der klare Stil, die
Marginalien, die auch dem „eiligen Leser“ eine kursorische aber
gleichwohl instruktive Lektüre ermöglichen, die zahlreichen, gut
strukturierten Folien, die teils der Literatur entnommen sind, das
insgesamt gute Lay-out sowie last but not least die Zusammenfassungen und
Kontrollfragen am Ende einer Einheit und das umfassende diagnostische
Instrumentarium (Checklisten, Fragebögen usw.), von dem sich sicherlich
noch viele Verantwortliche in den Unternehmen zur Reflexion ihrer
betrieblichen Praxis anregen lassen mögen. Insgesamt hat dieser Wegweiser
für das schwierige Terrain des Wissens für den Praktiker wie auch für
den Studierenden einen hohen heuristischen Wert, hilft er doch, die
betrieblichen Prozesse einmal anders - eben durch die Brille des Wissens -
zu sehen.
Dr. Andrea Poy, Dortmund
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letzte Bearbeitung: 12.03.04
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