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Kontinuierlicher-Verbesserungsprozess (KVP)

Stellt als vor allem operatives Instrument eine Weiterentwicklung des "Total Quality Management" dar und intendiert die Implementierung eines Zyklus ständiger Verbesserungen von sämtlichen Abläufen, Arbeitsplätzen, Produkten sowie internen und externen Kundenbeziehungen mit dem vorrangigen Ziel der Produktivitätssteigerung. Es basiert auf funktionsübergreifender Zusammenarbeit und prozeßorientierter Sichtweise und zielt auch auf eine verbesserte Fähigkeit der Mitarbeiter, Probleme zu erkennen und zu lösen (das klassische Vorschlagswesen kann dabei mit ein Bestandteil sein). Während das TQM primär anhand der Anforderungen in leanen produzierenden Unternehmen konzipiert worden ist und folglich vor allem die Produktionsprozesse und deren direkte Umwelt optimieren wollte, ist der Einsatz von KVP prinzipiell in allen Unternehmensbereichen möglich. Insbesondere im wissensbasierten Unternehmen aber ist die rasche Modifikation von Aufgaben einzelner Wissensarbeiter oder Geschäftsbereiche und damit die gesteigerte Reaktionsfähigkeit der gesamten Organisation auf Veränderungen in ihrer Umwelt entscheidend für ihren dauerhaften Geschäftserfolg. Hieraus ergibt sich unmittelbar die Notwendigkeit, das Wissen des einzelnen Mitarbeiters zu erschließen, für die Organisation nutzbar zu machen und zu erweitern. Insgesamt fördert die kontinuierliche Auseinandersetzung mit den eigenen Arbeitsbedingungen aber auch die Reflexionsfähigkeit in der Organisation (geplanter Link: Organisationales Lernen) und durch die permanente Weiterentwicklung kann der einzelne Mitarbeiter in praxisnaher Form lernen.

Voraussetzung für einen erfolgreichen schrittweisen Verbesserungsprozeß ist die Definition eines eindeutigen Ausgangszustandes, der mit Hilfe von Standards formuliert wird. Diese bilden dann die Basis für die weiteren prozeßorientierten Verbesserungen, die regelmäßig überprüft und mit Hilfe von Meßgrößen operationalisiert werden sollten. Hierbei stößt die Methode allerdings auch auf Grenzen, da eine Operationalisierung z.B. von Produktivitätssteigerungen im Bereich der wissensintensiven Dienstleistungen extrem schwierig ist. Zu viele und zu komplexe Kennzahlen wiederum machen das Modell undurchsichtig und bewirken, dass der Verhaltensanreiz verloren geht bzw. erwecken Manipulationsängste.

Im folgenden Modell (nach Haug) werden sieben Stufen der Implementierung differenziert, wobei aus unserer Sicht Stufe 4. wesentlich früher als von Haug beschrieben einsetzen sollte:

  1. Strategische Planung der KVP-Ziele (Definition der Rahmenbedingungen, Koordination der Aktivitäten, Benennung von KVP-Coaches)
  2. Information und Einbindung der Führungskräfte (Ziele und Vorgehensweise, Methoden, Instrumente etc., Gewinnung als Multiplikatoren)
  3. Information und Einbindung der Mitarbeiter (Ziele und Vorgehensweise, Methoden, Instrumente etc.). Hier ist der Konsens über die Bemessungsgrößen am besten aufgrund einer längerfristigen, z.B. 6monatigen Beobachtung des Prozesses zu erzielen.
  4. Analyse der Ist-Situation, Sammlung von Problemen und Schwachstellen, Generierung von Maßnahmen;
  5. Umsetzung der Maßnahmen mit begleitendem Feedback bzw. Controlling
  6. Visualisierung der Kennzahlen, Ziele und Maßnahmen
  7. Kommunikation mittels verschiedener Medien und KVP-Meetings

Anwendungssituationen: Für Unternehmen geeignet, die mit dem klassischen Vorschlagswesen nicht zufrieden sind, aber besonders in wissensintensiven Bereichen wichtig, in denen schnell und individuell auf Veränderungen reagiert werden muß. Voraussetzung ist, dass die definierten KVP-Bereiche bzw. Teams tatsächlich autonome Einwirkungschancen auf die zu optimierenden Prozesse haben bzw. nicht vollständig von vor- oder nachgelagerten Bereichen abhängig sind. Insofern spielt die Organisationsstruktur bei diesem Instrument eine entscheidende Rolle. So dürfte die Akzeptanz und aktive Mitarbeit in hierarchisch strukturierten Unternehmen eher problematisch sein dürfte. In Teamorganisationen hingegen kann KVP andere Instrumente und Methoden wie z.B. Wissenslandkarten sinnvoll ergänzen und das eigenverantwortliche Arbeiten steigern. Ratsam ist in jedem Fall die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten, eine offene Informationspolitik, ein faires und transparentes Honorierungs-System ebenso wie die rasche Umsetzung der eingebrachten Veränderungsvorschlägen.

Literatur: Nico Haug: KVP - der kontinuierliche Verbesserungsprozeß als eine Methode zur Intensivierung des Lean Management in Produktions- und Dienstleistungsbetrieben, in: Geißler/Behrmann/Petersen: Lean Management und Personalentwicklung; Frankfurt am Main, 1995, S. 313 -318

letzte Bearbeitung: 22.10.09