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Lernnetzwerke 

Ein operatives Instrument für die praktische Umsetzung der "lernenden Organisation", das im Rahmen geplanter Veränderungsvorhaben sowohl die individuelle Handlungskompetenz entwickeln als auch deren Transfer in die Organisation leisten soll. Je nach Zielsetzung können Lernnetzwerke hierarchie-, bereichs- oder organisationsübergreifend implementiert werden. Im Gegensatz zu AIM beruht ihre Bildung auf bereits geplanten Projekten und zielt nicht primär auf die Steigerung der Arbeitseffizienz, sondern intendiert vor allem eine umsichtige und anschlussfähige Implementation von Veränderungen im Unternehmen. Typischerweise gehen diese Prozesse nicht von den Mitarbeitern selbst aus, sind aber von ihnen gestaltbar: damit steigt der Grad der Akzeptanz bei den betroffenen Mitarbeitern und Fehler oder Widerstände lassen sich vermeiden bzw. als Lernquellen nutzen.

Man kann es als spezifische Form des Teamlernen verstehen, wenngleich im Lernnetzwerk zunächst neues Wissen systematisch von Multiplikatoren erworben und in die Organisation hineingetragen wird (starker Impuls von außen jenseits des Tagesgeschäftes). Die Lernprozesse lassen sich damit zeitlich straffen und Veränderungen rascher umsetzen als in einem gleichberechtigten Team, in dem alle Lernschritte gemeinsam vollzogen werden.

Das Netzwerk setzt sich aus den folgenden drei Elementen zusammen: 

  1. die originäre Lerngruppe
    Ihre Mitglieder sind die eigentlichen Innovatoren, denn sie eignen sich das jeweils erforderliche Know-How an (z.B. in Form von Impulsseminaren), erproben dies in ihrem beruflichen Alltag und reflektieren ihre Erfahrungen in regelmäßigen Lernmeetings während des gesamten Prozesses. Die daraus resultierenden Schlußfolgerungen definieren das weitere Vorgehen für die breite Einführung.
  2. das Lernnetz in der Organisation
    Im nächsten Schritt wird das erworbene Know-How in die Organisation transferiert. Dabei werden von jedem Innovator alle von der Veränderung betroffenen Personen einbezogen (Promotoren, Kollegen/Mitarbeiter, Kunden, etc.), die Veränderungen mit zusätzlichem Fachwissen bzw. Feedback von Fachmentoren begleitet und innerhalb des ganzen Netzwerkes diskutiert.
  3. die Lernberater
    Ergänzend werden die ersten beiden Systeme in ihren Lernprozessen von einem oder mehreren internen und externen Lernberatern unterstützt. Der interne Berater soll möglichst in deren Verlauf zunehmend die Rollen des externen übernehmen und somit Potentiale für künftiges Lernen bzw. weitere Veränderungen in der Organisation aufbauen.

Eine derartigen Implementation von Veränderungsprozessen zielt auf die Entwicklung von Know-How, Lernkompetenz und eine rasche, praxisnahe Umsetzung von Neuem in der Organisation. Die Teilnahme an der originären Lerngruppe sollte prinzipiell freiwillig erfolgen, da sie neben einer überdurchschnittlichen Lernbereitschaft ein hohes Maß an Eigeninitiative, Experimentierfreudigkeit und Kommunikationsfähigkeit voraussetzt. Zudem müssen die Veränderungen als Schlüsselpersonen in das Unternehmen hinein getragen werden, was nur mit überzeugten – d.h. überzeugenden – und engagierten Personen gelingen kann. Der Austausch mit Gleichgesinnten in der originären Lerngruppe kann auch den einzelnen dabei unterstützen, negative Effekte, Rückschläge und eigene Defizite zu bearbeiten.

Die Organisation kann folglich eine Lernkultur entwickeln und sich dank der wachsenden internen Kompetenzen von externen Beratern unabhängig(-er) machen.

Die den Veränderungsprozess tragenden Mitarbeiter erweitern nicht nur ihre Qualifikationen, sondern können neue Rollen übernehmen und informelle Beziehungsnetze bilden.
Darüber hinaus fördert das hierarchieunabhängige gemeinsame Lernen eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens in der gesamten Organisation: Führungskräfte aus unterschiedlichen Bereichen bzw. Ebenen und Vorgesetzte und Mitarbeiter lernen sich besser kennen, trainieren ihre Kommunikations- sowie Problemlösungsfähigkeit.

Anwendungssituationen: Implementation von Veränderungsprozessen und Entwicklung einer Lernkultur auf allen Ebenen der Organisation, indem das Lernen in das alltägliche Tun verlagert wird. Setzt eine gewisse Anzahl engagierter und kreativer Mitarbeiter in den entsprechenden Positionen voraus, die den Lernprozess zu initiieren bereit sind. Sollte nicht unter starkem zeitlichen Druck erfolgen oder an starre Erfolgsbedingungen geknüpft sein, da dies für einen Lernerfolg hinderliche Faktoren sind.

Literatur: Projektgruppe wissenschaftliche Beratung (Hrsg.): Organisationslernen durch Wissensmanagement; Frankfurt/M.; 1999, S. 107ff.

letzte Bearbeitung: 22.10.09