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Management by Wandering Around

Als bewährtes operatives Instrument meint Management by wandering around den regelmäßigen Rundgang leitender Personen in der Organisation. Zwar scheint der Rundgang als Kontrollinstrument abstrakt-symbolischer Arbeitsprozesse untauglich, gehen doch alle Experten davon aus, dass diese Praxis mit der Einführung von computergestützten Informationssystemen obsolet geworden sei – da Informations- und Kommunikationskreisläufe hiermit schneller und systematischer gestaltet werden - ; doch erhält er im wissensverarbeitenden Unternehmen insbesondere durch den Abbau von Hierarchien erneut unerwartete Aktualität. Während im traditionellen Arbeitssystem vor allem eine verbesserte Kontrolle durch persönliche Präsenz intendiert und der hierarchische Status der umhergehenden Führungskraft bestätigt wurde (man versicherte sich damit u.a. gegenseitig der Gültigkeit der organisationalen Regeln und Vereinbarungen und trug folglich noch zur Verfestigung der Hierarchiestrukturen bei), liegt der Schwerpunkt nunmehr auf den vormals eher sekundären kommunikativen und sozialen Effekten. Angesichts der neuen Anforderungen an Führungskräfte in bezug auf Koordination und Motivation der zunehmend selbstorganisierten Wissensarbeiter kann man eine deutliche Zunahme von kommunikativen Schnittstellen konstatieren, die allein mit Hilfe technischer Instrumente nicht bewältigt werden können: Face-to-face-Kommunikation und Feedback spielen wieder eine zentrale Rolle. Zudem verbreiten sich auch in hierarchischen Organisationen die Führungsspannen, so dass bei erhöhtem Tempo der Organisationsprozesse tendenziell eine größere Zahl an Individuen betreut werden muss.

Die Führungskraft agiert demnach in der wissensbasierten Organisation nicht mehr als Kontrollinstanz (zumal es kaum noch um eine Kontrolle von physischer Präsenz gehen kann, vielmehr "kontrolliert" heute die Aufgabe den Mitarbeiter), sondern sie trägt mit ihrer Person die Strategie in das Unternehmen hinein und erfüllt soziale Funktionen (z. B. Schaffung eines intakten sozialen Umfeldes und Gestaltung der Zusammenarbeit in Teams). Beim Umhergehen sollte die unterstützende, partnerschaftliche Funktion des Führungsverant-wortlichen deutlich werden, dazu benötigt man etwas Zeit, gewisse Vorkenntnisse der Personen und ihrer Situation, Einfühlungsvermögen und Dialogbereitschaft. Ganz wesentlich ist es schließlich auch, auf diese Impulse zu reagieren bzw. aus den so gewonnenen Informationen konkrete Aktivitäten zu entwickeln, damit dieses zeitgemässe Führungsverhalten von den Mitarbeitern nicht als atavistischen Kontroll- und Machtgehabe missverstanden wird.

Anwendungssituationen: Als ergänzendes Instrument für Führungskräfte in wissensbasierten Unternehmen, die nicht mehr (oder nicht mehr allein) eine systematische Kontrolle ihrer Mitarbeiter praktizieren, und in unüberschaubar gewordenen Organisationen. Ersetzt jedoch keinesfalls Mitarbeitergespräche, Teamsitzungen etc., da es ausdrücklich auf informeller Ebene ansetzt und dem einzelnen Mitarbeiter die Möglichkeit geben soll, in ihrer gewohnten Arbeitsumgebung Dinge anzusprechen, die sie beschäftigen. Darin zeigt sich eine gelebte offene Kommunikationskultur und die Einsicht in Bedeutung der Organisation als sozialer Ort. Eine sozial kompetente Führungskraft kann während derartiger Rundgänge wertvolle verbale und non-verbale Signale empfangen und sollte diese zu interpretieren in der Lage sein – etwa hinsichtlich des Verhältnisses der Mitarbeiter zueinander oder der Reaktion auf den Vorgesetzten selbst.

letzte Bearbeitung: 22.10.09