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Struktur-Lege-Technik (SLT)
SLT - eine Dialog-Konsens-Methode - ist ein vielfältig einsetzbares
Instrument, das zur Explizierung des Alltagswissens und seiner Begiffe dient, aber
gleichzeitig auch grundlegende Erkenntnisse in strategischer Hinsicht liefern kann.
Entwickelt eher für den Bereich der Kognitionspsychologie und Germanistik, zielt es
darauf, dass sich eine Person oder eine Gruppe über seine/ihre verwendeten Begriffe,
Wertsetzungen, Relationen u.ä. klar wird, indem diese verbal sowie optisch abgebildet
werden. Innerhalb einer Gruppe (z.B. ein Team oder ein Beratersystem) lässt sich so ein
Konsens oder zumindest eine Diskussionsgrundlage für die weitere Beschäftigung mit
gemeinsamen Zielen und der strategischen Ausrichtung schaffen (gemeinsamer
"Code").
Unter Anlehnung an das Modell der Heidelberger Psychologen Scheele
und Groeben geht man in zwei Schritten vor:
- Zunächst wird auf der inhaltlichen Ebene gearbeitet: man legt dem
Befragten jeweils kontextgemäß relevante Grundtermini vor und fordert ihn dazu auf,
spontan Definitionen, Erklärungsvariablen, Wirkungen etc. zu assozieren. Dies erfolgt
eher spielerisch und offen, denn das Entstehen einer Prüfungsatmosphäre und von
Streßsituationen sollte vermieden werden. Besitzt die Person zu einzelnen Aspekten kein
unmittelbar verfügbares Wissen, sollte sie das vorbehaltlos äußern können: als
Hauptinteresse des Fragenden sollte der Wunsch nach Partizipation an der Wahrnehmung des
Gesprächspartners deutlich werden, nicht ein Abfragen von Wissen. Daher wird dieses erste
Element meist in Form eines intensiveren Einzelinterviews gestaltet werden, kann aber
ebenso als "Warm-up" für eine Gruppensitzung genutzt werden (die Gruppe sollte
dann aber möglichst klein optimalerweise zwischen 4- 8 Personen und geübt
in derartigen Techniken sein). Gegebenenfalls kann man es am Ende eines Lern- bzw.
Veränderungsprozesses wiederholt einsetzen, um die veränderten Denkstrukturen zu
explizieren, d.h. als reflektive Schleife.
- Anschließend kann man auf die Strukturebene übergehen, auf der die
Relationen der Termini und Begriffe zueinander geklärt werden. Wenn bereits eine
begriffliche Übereinstimmung sowie eine gewisse Vertrautheit der Kommunikationspartner
besteht, kann man auch nach knapper Einleitung hier beginnen. Nun sollen die eingeführten
Termini in verschiedenartige Relationen zueinander gesetzt werden (z.B: X verursacht Y, X
indiziert Y, ...). Der oder die Teilnehmer könne die auf farbige Kärtchen geschriebenen
Begriffe auf einer ausreichend großen Fläche (z.B. Flip-Chart oder Pin-Wand) räumlich
anordnen und zudem ihre Beziehungen mit Hilfe standardisierter Zeichen aus der
Mathematik/Logik anzeigen. Diese Reduktion ist sinnvoll, um zum einen den relativ hohen
Grad an Komplexität visuell anschaulich und nachvollziehbar zu gestalten und zum anderen
um eine Vergleichbarkeit der individuellen Wahrnehmungskonstrukte herzustellen. Der
Einzelne sollte einen angemessenen Zeitraum für die Anordnung zur Verfügung gestellt
bekommen je nachdem, mit wie vielen Begriffen operiert wird (Scheele/Groeben
empfehlen die hier die eigenständige Vorbereitung des Teilnehmers mit Hilfe eines
erklärenden Leitfadens vor der Sitzung), jedoch keinesfalls in längerem Grübeln alleine
gelassen werden. Besser ist die Option auf weitere Modifikationen im Verlauf des Dialogs
zwischen Teilnehmer(-n) und Moderator, welcher für ein ausführliches Nachfragen und
sensibel-provokantes Aufspüren von Brüchen sorgen sollte.
Anwendungseinschränkungen:
Anwendungseinschränkungen: Trotz des scheinbar einfachen
Aufbaus handelt es sich bei der SLT um ein höchst zeitaufwendiges und anspruchsvolles
Instrument, denn es setzt neben einer elaborierten Begrifflichkeit aller Teilnehmer einen
einfühlsamen, konfliktfähigen und kommunikativ sehr kompetenten Moderator voraus, der
als gleichberechtigter, nicht wertender Gesprächspartner auftritt. Andernfalls ist die
Gefahr einer Verzerrung der Ergebnisse sehr groß, z.B. wenn er nicht mehr produktiven
Streß verursacht oder eigene Wertschätzungen einfließen läßt.
AnwendungssituationenAnwendungssituationen: Grundsätzlich für alle
Organisationen geeignet wird es vor allem in wissensintensiven (Team-)Bereichen
eingesetzt, in denen ein Konsens über das gemeinsame Handeln und die ihm
zugrundeliegenden Begriffe in strategischer Hinsicht erfolgskritisch für das Unternehmen
ist. Darüber hinaus kann es zur Lösung von Konflikten z. B. in Teams herangezogen
werden, um differierende Vorstellungen der Partner (etwa in bezug auf Machtverteilung,
Werte, Barrieren) aufzuzeigen und gemeinsam zu bearbeiten.
Die beiden Elemente können je nach Zielsetzung in Form von Einzel-
oder Gruppensitzungen variiert werden, wobei darauf geachtet werden sollte, dass die
Anzahl der diskutierten Begriffe zu bewältigen ist: wir schlagen eine Beschränkung auf
höchstens 12 Begriffe vor, damit die Auseinandersetzung mit jedem Terminus nicht aus
Zeit- und Konzentrationsgründen zu Lasten der "Tiefe" geht. Das Verfahren ist
sehr zeitaufwendig. Nähere Einzelheiten zur Gestaltung, Relationskriterien u.a.m. finden
sich bei Scheele/Groeben, S.53ff.
LiteraturLiteratur: Brigitte Scheele/Norbert Groeben:
Dialog-Konsens-Methoden zur Rekonstruktion Subjektiver Theorien, Tübingen, 1988, S.34ff.
Anwendungsbeispiele Anwendungsbeispiele aus der Risikoforschung:
H.-J. Weißbach
u.a.: Technikrisiken als Kulturdefizite? Berlin, 1994, S. 91ff.
Ein Toolkit mit einer Miniversion ist für 60 DM zuzüglich
Versandkosten beim Projekt WIPER erhältlich.
letzte Bearbeitung: 22.10.09
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