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Yellow pages: Man kann davon ausgehen, daß aufgrund vielfältiger individueller und organisationsbedingter Barrieren nur ein Bruchteil der in einer Organisation vorhandenen Wissenspotentiale genutzt wird. Verstärkt gilt dies für enthierarchisierte, leane oder dezentralisierte Unternehmen, die in relativ autonome Einheiten aufgegliedert sind, sowie für Organisationen ohne zentralistisches IT-Konzept. Um hier explizites und auch implizites Wissen als Ressource nutzen zu können, muß es zunächst identifiziert und lokalisiert werden. Das kann mit Hilfe von sog. yellow pages ("Branchenbuch des Wissens") oder geschehen.

Ausgangspunkt für die Erarbeitung von yellow pages sind zwei Fragen:

  • Wer im Unternehmen braucht wann und wozu welches Wissen?
  • Woher wird dieses Wissen beschafft?

Um diese Fragen zu beantworten, kann man einmal das Organigramm als Ausgangspunkt nehmen. Man beschreibt die dort aufgeführten Positionen/Personen im Hinblick auf das zur Aufgabenerfüllung formal notwendige oder vorausgesetzte Wissen. Darüber hinaus kann ermittelt werden, welches Wissen jenseits der eigentlichen Stellenbeschreibung im Arbeitsalltag von der Organisation dort faktisch abgerufen werden kann und wer in seiner Aufgabenerfüllung von welchem Wissen welcher anderen Mitarbeiter abhängig ist. Bring- und Holschuld können visualisiert werden. Positionen erscheinen so als Wissensbörsen und als Schnittpunkte von vielerlei Wissensströmen. Allerdings sind die so erstellten yellow pages recht statisch, da sich das Wissen mit jedem Projekt ändern kann.

Zum anderen können die Geschäftsprozesse als Ausgangspunkt der Suche nach formellem und implizitem Wissen zu forschen. Dabei sollte darauf geachtet werden, die organisatorischen Ablaufphasen auch konsequent Namen zuzuordnen, um nicht zu allgemein auf der Ebene von Stellenbeschreibungen zu bleiben. Sinn der Analyse ist ja gerade, zu erforschen, was über das formell erforderliche Wissen hinaus abgerufen wird. Ausgangsbasis einer solchen prozeßorientierte Erstellung von yellow pages könnten die im Qualitätshandbuch dokumentierten Prozesse sein.

Ergebnis dieser Untersuchung könnte ein Nachschlagewerk sein, das eine ausführliche Zuordnung von Wissensressourcen zum Organigramm bzw. zu den Geschäftsprozessen darstellt: eben die yellow pages. Wenn diese Zuordnung grafisch unterstützt wird, sprechen wir auch von knowledge maps. Das Intranet ist ein Medium, auf dem yellow pages sehr wirksam eingerichtet werden können.

Mit Sicherheit wird im Laufe der Analyse nicht bekanntes und deshalb nicht genutztes Wissen entdeckt. Aber auch Barrieren, die die Nutzung vorhandenen Wissens verhindern, werden aufgedeckt. Möglicherweise stellt man fest, daß Personen in dominanter Funktion über wenig organisationsrelevantes Wissen verfügen. Und umgekehrt sind vielleicht wichtige Know-how-Träger gar nicht entsprechend in der Organisationsstruktur verankert oder an den Geschäftsprozessen beteiligt.

Der Aufwand für die Einrichtung von yellow pages ist recht hoch; jedoch dient der Prozeß ihrer Erstellung zugleich der Schaffung von innerorganisatorischer Transparenz. Die Mitarbeiter sollten in die Entwicklung der yellow pages einbezogen werden. Es ist stets auch an Außendienst- oder Servicemitarbeiter zu denken, die häufig über erhebliches kundenbezogenes Wissen verfügen, ferner an zwischenbetriebliche Beziehungen (z.B. externe Entwicklungspartner oder Zulieferer).

Literatur: J. Schüppel: Wissensmanagement. Organisatorisches Lernen im Spannungsfeld von Wissens- und Lernbarrieren. Wiesbaden 1996

Referenzprojekt: Wissensmanagement im Materialprüflabor. Werkstoffzentrum Rheinbach,1999.

letzte Bearbeitung: 22.10.09