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Storytelling
Dieses
Instrument, das gegen Ende des 20. Jahrhunderts ein spektakuläres Comeback
verzeichnet, eignet sich zur Analyse von Organisations- und
Kommunikationskulturen, aber auch als Interventionsinstrument.
Zum
einen lassen sich Managementerfahrungen über Stories praxisnah vermitteln.
Viele „best-practice-Beispiele“ zirkulieren inzwischen in Form von immer
weiter erzählten Stories, die niemand mehr sich zu überprüfen die Mühe
macht. Man denke an die Biografien von Lee Iacocca oder an die
Unternehmensgechichten, die Peters erzählt. Zum anderen zeigen Stories, wie
sich die Welt des Unternehmens, seine Geschichte und Identität in den Köpfen
der Mitarbeiter darstellen, wie diese die Unternehmensidentität und
-kommunikation wahrnehmen und wie sie die offiziellen Regeln und informellen
Stile der Kooperation und Kommunikation im Unternehmen anwenden und verändern.
Schließlich kann man mit dramatischen Stories erfolgreich Veränderungsprozesse
initiieren oder flankieren: sie unterhalten, erklären, inspirieren,
belehren und überzeugen. Auch Berater und Sozialarbeiter arbeiten heute oft
erfolgreich, indem sie Geschichten erzählen. Selbst als Instrumente
organisatorischer Legitimation und Kontrolle funktionieren Stories, z.B.
wenn sie die jeweilige Managementphilosophie legitimieren. Aus den
zirkulierenden Geschichten lassen sich durchaus Rückschlüsse auf die
Managementphilosophie ziehen, aber auch auf Gegenströmungen und
Oppositionsbewegungen.
Stories
sollten nicht mit Berichten, Interpretationen, Meinungen, Theorien usw.
verwechselt und nicht auf Texte reduziert werden. Die Wahrheit der Story
liegt nicht in den Fakten, auf die sie Bezug nimmt, oder in ihrer Logik,
sondern in ihrer Bedeutung. Nicht alle Deskriptionen oder Interpretationen
einer Situation sind Geschichten. Zur Story wird die Erzählung erst, wenn
der emotionale Aspekt deutlich hervortritt. So gibt es tragische, komische,
epische, humoristische oder romantische Stories, in denen die Helden als
unschuldige Opfer, Schurken, Narren, Helden, Überlebende oder Liebesobjekte
erscheinen.
Erschien
der modernen rationalistischen Psychologie die Geschichte einst als verdächtiges
und interpretationsbedürftiges Symptom (Freud), unterschied sie also
zwischen Fakten und Erzählung, zwischen Handlung und Ausschmückung, s
sieht man heute in Stories einen wichtigen Mechanismus der individuellen und
organisatorischen Sinnstiftung. Anthony Giddens (Modernity and Self-Identity,
Stanford 1991) sieht gar die Idee persönlicher Identität als die Fähigkeit
zum Fortspinnen einer Geschichte.
Durch
Analyse der in einer Organisation zirkulierenden Stories lassen sich also
wertvolle Rückschlüsse auf die Organisationsidentität ziehen Es ist
sinnvoll, dass die Auftraggeber einer Storytelling-Studie zur
Organisationskultur nicht das Originalmaterial (z.B. Transkriptionen von
Interviews), sondern nur die interpretierten Auswertungen erhalten, die dann
wieder mit den MitarbeiterInnen diskutiert werden können.
Als
gute Einführung in Typologie von Geschichten und Methoden ihrer Auswertung
dient:
Gabriel, Yiannis: Storytelling in Organizations.
Ein
wichtiger „klassischer“ Beitrag aus kulturanthropologischer Sicht:
Douglas, Mary: Wie Institutionen denken. Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1991.
Ein
(allerdings nicht sehr aussagekräftiger Artikel) zum Einsatz dieser Methode
bei Siemens findet sich bei
Sottong, H./K. Frenzel/M. Müller: Storytelling als Methode, in: Personalführung
3/2003, S. 36 ff.
Zur
Anwendung bei Rank-Xerox:
Denning, S.: The Springboard. Boston 2001.
Vgl.
auch das Stichwort à „Geschichten“ unter à
Begriffe und Konzepte.
Prof.
Dr. Hans-Jürgen Weißbach, Okt. 2003.
Vgl. auch das Stichwort „Geschichten“ unter Begriffe und Konzepte.
Hans-J. Weißbach, Okt. 2003
letzte Bearbeitung: 22.10.09
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