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Wissensmanagement
nach dem „Sesamstraßen-Prinzip“: Einfache und wirksame
Einarbeitungsstrategien im An- und Ungelerntenbereich
Einarbeitungskonzepten kommt eine große Bedeutung bei der
Erreichung möglichst rascher Effizienz und Effektivität auch im
Niedrigqualifiziertensektor zu – ein Sachverhalt, der häufig übersehen
wird, da es im allgemeinen um einfache Wiederholtätigkeiten geht, die
vermeintlich durch Schleifen des Zeigens, Zuschauens, der Imitation, des
Feedback und neuerlicher Imitationsversuche erlernt werden. Oft werden den
neuen Mitarbeiter/innen Pat/innen an die Seite gestellt, die das Erlernen
der erforderlichen Handgriffe und Routinen sicherstellen sollen. Jedoch lässt
sich bei Einarbeitungsprozessen dieser Art immer wieder beobachten, dass die
Paten zu voraussetzungsvoll agieren, weil sie selbst die Arbeitsroutinen
komplett internalisiert haben. Des weiteren kommt hinzu, dass gerade im An-
und Ungelerntensektor sehr häufig Menschen beschäftigt werden, die der
deutschen Sprache nur rudimentär mächtig sind. Das erschwert die
Einarbeitung, weil Erklärungen oder Anforderungen nicht verstanden werden.
Ein hilfreiches Konzept zur Einarbeitung in einfache
Wiederholtätigkeiten kann in Unternehmen und Organisationen erarbeitet
werden, wenn deutsche Vorgesetzte und Paten sich fragen: „Wenn ich plötzlich
in einem fremden Land arbeiten müsste, ohne vorher Gelegenheit zu einem
Sprachkurs oder landeskundlichen Kurs zu haben: Welche wären die fünf
wichtigsten Begriffe, die notwendig sind, um zu begreifen, was ich in dem
fremden Betrieb tun soll?“
In einigen Betrieben werden von den Personen, die
Einarbeitungsaufgaben übernehmen, Begriffe aus der Maschinentechnik oder
aus dem Prozessablauf genannt, die wichtig sind, um die Kommunikation
zwischen angelernten Mitarbeitern und Kompetenzträgern wie Instandhaltern
und Einrichtern herzustellen (z.B. „Störung“). Diese „Lösung“
bewegt sich aber auf einer zu konkretistischen Ebene, wenn es darum geht,
die einzuarbeitenden Personen zu orientieren.
In zwei Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie und der
Reinigungsdienstleistung in meinem Projekt „Kompetenzentwicklung in
interkulturell zusammengesetzten Teams“ (Förderung durch BMBF und EU im
Schwerpunkt „Lernen im Prozess der Arbeit“ der Arbeitsgemeinschaft
betriebliche Weiterbildungsforschung – ABWF e.V.) verständigten sich
Vorarbeiter/innen, Schichtleiter/innen und interne Trainer/innen bei der
Bearbeitung dieser Aufgabe hingegen auf das (leicht abgewandelte) Prinzip
„Sesamstraße“:
- WAS
– WIE – WOMIT sind die entscheidenden Begriffe, mit denen man nach
Arbeitstätigkeit, –verfahren und –mitteln fragen kann.
- HALLO
und ICH HEISSE ... sind grundlegende Signale, um den elementaren
Beziehungsaufbau im Arbeitsumfeld zu gewährleisten, denn ohne
Bereitschaft zur Beziehungsaufnahme erhält man in der Regel auch nicht
die für den Arbeitsablauf notwendigen Informationen.
Im Umkehrschluss folgt daraus für die Gestaltung von
Einarbeitungsprozessen:
§
Einarbeitungskonzepte müssen grundsätzlich von der Logik
des WAS, WIE und WOMIT her gedacht und dabei zunächst auf das Notwendigste
beschränkt werden. Im Austausch mit Mitarbeiter/innen, die erst kurze Zeit
im Unternehmen arbeiten, können diese Fragen beantwortet werden. So ist gewährleistet,
dass alle relevanten Informationen bereit gestellt werden und zunächst
Entbehrliches entfällt. Möglichkeiten der Visualisierung des WAS, WIE,
WOMIT wie Fotos, Piktogramme, Farben usw. können hilfreich sein.
§
Für den Arbeitsprozess ebenso wie für den sozialen
Integrationsprozess in eine schon bestehende (Arbeits-)Gemeinschaft gilt:
Informationen werden leichter und bereitwilliger weiter gegeben, wenn neu
Hinzukommende aktiv den Beziehungsaufbau betreiben. Rudimentäre Begrüßungsformeln
und das persönliche Sich-Einbringen durch Nennen des eigenen Namens werden
von den älteren bzw. länger zugehörigen Teammitgliedern durchaus als
Beitrag zur Integrationsbereitschaft verstanden.
Die auch als „Mini-Wörterbuch“ bekannte Methode kann zu
einer rascheren Einarbeitung ebenso wie zu einer baldigen Zugehörigkeit
neuer Mitarbeiter/innen in eine bestehende Arbeitsgruppe beitragen.
Als Varianten bzw. Weiterführung des Sesamstraßenprinzips
kann man auch die wichtigsten Antworten auf die Fragen WAS, WIE und WOMIT in
allen in einer Arbeitsgruppe vertretenen Sprachen in einer Tabelle
darstellen und auf sie zeigen, wenn es im Einarbeitungsprozess doch einmal
hakt.
Die „Sesamstraße“ hat offensichtlich nachhaltige pädagogische
Resultate erzielt, wenn Erwachsene in der Lage sind, sich mit Hilfe von drei
Fragen in einem fremden Arbeitsprozess im fremdkulturellen Umfeld zu
orientieren. Die „Sesamstraße“ wird häufig mit Einfachheit, Verständlichkeit
und Anschaulichkeit assoziiert – Kriterien, die für Einarbeitungsprozesse
auch gelten sollten, insbesondere dann, wenn sie für ausländische
Mitarbeiter/innen konzipiert werden! Dass dabei zum Fragenstellen ermuntert
und ermutigt wird, versteht sich von selbst – denn: „Wer nicht fragt,
bleibt dumm!“
Dr. Barbara Weißbach
Geschäftsführerin des IUK Instituts Dortmund
www.iuk.com
letzte Bearbeitung: 22.10.09
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