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Carsten Lampe, Projekt WIPER April 2000

Unterstützung von Wissensmanagement durch Informationstechnologie für kleine und mittlere Unternehmen

  • Vorbemerkungen zum Verhältnis zwischen  Wissensmanagement und Informationstechnologie 
  • "IT-Tools": Begriff, Einbettung, Funktionsbereiche
  • Unterstützung der Zusammenarbeit und Nutzung (gemeinsamer) Informationsressourcen
  • Informationsmanagement als Vorstufe zum IT-gestützten WM
  • Die Abbildung von Wissen in IT-Systemen zur Unterstützung des WMs IT-Unterstützung für das WM 
  • Elektronische Dokumentenmanagementsysteme (EDMS)
  • Workflow Managementsysteme (WfMS) 
  • Groupware am Beispiel von "Lotus Notes" und die Erweiterung bzw. "knowledge management suite Lotus Raven" 
  • WM-Portal "LiveLink" 
  • Report-Anwendung(en)
  • Wissensgewinnung aus Datenbanken (knowledge discovery in databases, KDD) bzw. Auswertung von Datenbeständen 
  • Expertensysteme 
  • "Gesamtschau" und IT-Tools für KMU 

 

Vorbemerkungen zum Verhältnis zwischen Wissensmanagement und Informationstechnologie

Ein ganzheitlich verstandenes und praktiziertes Wissensmanagement (WM) umfaßt weit mehr als den Einsatz von Informationstechnologie (IT) in Gestalt von Hardware, Software und Netzwerken. Gleichwohl gibt es eine Fülle von Berührungspunkten oder gar -bereichen zwischen Wissensmanagement und Informationstechnologie. Dies ist besonders dann der Fall, wenn mittels IT gezieltes Informationsmanagement für eine Organisation oder ein Unternehmen betrieben wird. So ist die technisch abbildbare »Information« zwar bekanntermaßen nicht mit »Wissen« gleichzusetzen, jedoch ist sie ein wesentlicher "Botenstoff" für eine geeignete Anwendung und Weiterentwicklung von Wissen. Hinzu tritt die Möglichkeit mittels IT wissensartige Strukturen bzw. Verknüpfungen von Informationen über Metainformationen oder über die Vererbung von programmierten Objekteigenschaften aufzubauen - ganz abgesehen davon, daß auch die "klassische" Beschreibung, Bearbeitung und Vermittlung von Wissen über das gesprochene Wort, Texte und Abbildungen in informationstechnische Konstrukte übertragbar ist. Schon immer stand die Wissensbewahrung und -produktion in engem Zusammenhang mit den dafür zur Verfügung stehenden Werkzeugen und Techniken, deren Gebrauch und Anwendung immer auch selbst zu erlernen war.

Auch mit den verschiedenen Werkzeugen der Informationstechnik, den "IT-Tools", müssen Mitarbeiter und ihre Organisationen umgehen lernen, d.h. bereit sein sie näher kennenzulernen, zu nutzen und in ihre Arbeitsabläufe oder -kontexte einzubauen. Wenn dies erreicht wird, dann kann die Informationstechnologie neue Möglichkeiten auch für das Wissensmanagement bieten oder doch zumindest wertvolle Unterstützungsaufgaben in diesem Zusammenhang übernehmen. Dazu nutzt man die folgenden Vorzüge der IT aus:

  • die großen Speicherkapazitäten
  • die Geschwindigkeit von logischen Operationen, z.B. für Auswertungen
  • die Verfeinerung von Informationslogistik durch Vernetzung und Flußsteuerung vornehmlich "harter Daten" in "harten Strukturen" bei gleichzeitiger Reaktionsmöglichkeit auf Ausnahmefälle
  • die flexiblen (Re-) Strukturierungsmöglichkeiten von Daten (flach oder stark hierarchisch)
  • die Integration von kommunikativen Elementen durch Vernetzung und entsprechende Kommunikationssoftware
  • die Visualisierungsmöglichkeiten von Informationen auf dem Monitor
  • Automatisierungsmöglichkeiten von Teilabläufen verschiedenster Art

Eine verbreitete konzeptionelle Vorstellung bzw. Vorgehensweise zur Implementierung von WM ist es, zunächst auf einer allgemeinen oder umfassenden Ebene Ziele festzulegen und dazu eine entsprechende Strategie auszuarbeiten. Für die Umsetzung sollen dann operarative Bereiche erkannt werden, in denen bestimmte mentale, strukturelle und zeitliche Voraussetzungen für das WM geschaffen werden müssen. Wie das zu geschehen hat soll in operativen Konzepten beschrieben und geplant werden. Aus den operativen Konzepten wiederum sollen dazu passende oder adäquate Umsetzungsmittel bzw. IT-Tools abgeleitet werden (siehe Abbildung 1).

 

Abbildung 1

IT-Infrastuktur und -Tools können nun diesen Ableitungsprozeß selbst bereits kommunikativ und bildnerisch unterstützen. Besonders durch die Visualisierungsmöglichkeiten (Symbolik von Planungstools, Diagramme, Ablaufpläne etc.) und deren Präsenz über die IT-Infrastruktur kann eine "virtuelle Verdinglichung" von Konzepten hergestellt werden, die ähnlich nur durch längere direkte Kommunikation entsteht. Da in der Tat in den meisten Fällen bereits eine IT-Ausstattung vorhanden ist, ist eine Einwirkung von bekannten bzw. genutzten IT-Tools auf die konzeptionelle Ebene zu unterstellen. Sogar auf der strategischen Ebene sind Einwirkungen feststellbar. So werden insbesondere viel kürzere Zeiträume für Umsetzungen von Strategien angenommen und u.U. die Entscheidung für eine bestimmte IT-Infrastruktur auch als eine strategische begriffen. Dabei kann es sich auch um eine Strategie des WMs handeln, so daß durchaus von einer partiellen Integration von IT und WM gesprochen werden kann. Insofern ist die top-down-Herangehensweise implizit oder historisch betrachtet auch immer eine bottom-up-Prozedur - vorausgesetzt, man hat es mit einer relativ kontinuierlichen Entwicklung zu tun.

Eine weniger deterministische Sicht auf das Verhältnis zwischen IT und WM kann zu etwas experimentelleren und punktuelleren Vorgehensweisen führen, wobei auf Tool-Ebene und in kleinen Teams nach IT-Unterstützungs- oder Lösungsmöglichkeiten für das WM gesucht und diese erprobt und eingeübt werden (s. Abbildung 1, "3. Schritt vor dem 1.?"). Bei dieser Herangehensweise ist dann allerdings für eine rasche Einbindung oder Verbreitung von positiven Erfahrungen und Ergebnissen zu sorgen. Dafür wiederum muß aber eine entsprechende (IT-) Infrastruktur bereits vorhanden sein. Die Rückbindung an die allgemeinen Zielvorstellungen des WMs, kann dann eine langwierige oder jede Einzelheit vorwegnehmende Konzeptentwicklung teilweise ersetzen. Dafür muß aber ebenso die Bereitschaft vorhanden sein, Mißerfolge offen zu behandeln, um rasch Konsequenzen für die Tool-Auswahl zu ziehen. Hier wird von KMU keine informatische Grundlagenforschung verlangt, sondern eine intensive Beschäftigung mit vom Markt angebotenen IT-Tools. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Wege: Entweder es wird eine angepaßte Branchenlösung gekauft, die dann doch noch angepaßt werden muß oder jeder einzelne Mitarbeiter muß mehr über die einzelne Tools von Standardpaketen wissen und diszipliniert anwenden. Letzteres birgt auch eine Überforderungsgefahr vor allem im Alltagsgeschäft in sich, so daß neben frei definierbaren auch immer fest vorstrukturierte Elemente vorhanden sein müssen.

Den gesamten Bericht erhalten Sie hier:

 

letzte Bearbeitung: 20.05.06